Economía y jurisdicciones

Paraguay wird entdeckt: Anatomie eines Landes im Aufschwung

Rekordmigration, Rekordtourismus, steigende Investitionen, starkes Wirtschaftswachstum und ein sichtbarer Bauboom: Was lange als unscheinbarer Binnenstaat galt, entwickelt sich zu einem der interessantesten Standorte Lateinamerikas.

Klaus J. P.-Kilfitt · 3. August 2026 · 11 min de lectura

Skyline von Asunción im Abendlicht mit dem Schriftzug „Paraguay wird entdeckt – Anatomie eines Landes im Aufschwung“
Asunción im Abendlicht: Migration, Tourismus, Investitionen und Energieverbrauch steigen gleichzeitig – der Bauboom der Hauptstadt ist das sichtbarste Symptom dieser Entwicklung.

Paraguay war jahrzehntelang eines jener Länder, die international kaum jemand auf dem Radar hatte.

Ein Binnenstaat im Herzen Südamerikas. Rund sieben Millionen Einwohner. Eingeschlossen zwischen Brasilien, Argentinien und Bolivien. In internationalen Wirtschaftsmedien meist eine Randnotiz und als Reiseziel selbst vielen Südamerika-Kennern kaum bekannt.

Das ändert sich gerade.

Nicht wegen einer einzelnen spektakulären Kennzahl. Sondern weil inzwischen erstaunlich viele voneinander unabhängige Indikatoren gleichzeitig in dieselbe Richtung zeigen.

Menschen kommen.

Touristen kommen.

Kapital kommt.

Die Wirtschaft wächst.

Internationale Ratingagenturen stufen das Land hoch.

Die eigene Währung hat gegenüber Dollar und Euro erheblich an Wert gewonnen.

Der Stromverbrauch steigt zweistellig.

Und in Asunción verändert ein Bauboom das Gesicht einer Hauptstadt, deren Skyline noch vor wenigen Jahren völlig anders aussah.

Jede einzelne dieser Entwicklungen ließe sich für sich genommen erklären.

Interessant wird es dort, wo sie gleichzeitig auftreten.

Denn dann geht es möglicherweise nicht mehr um einzelne Rekorde.

Dann verändert sich ein Standort.

Menschen kommen

2025 verzeichnete die paraguayische Einwanderungsbehörde einen historischen Rekord.

47.687 Anträge auf Aufenthaltserlaubnis gingen innerhalb eines Jahres ein – mehr als 63 Prozent mehr als 2024. Gleichzeitig wurden 40.600 Aufenthaltsgenehmigungen erteilt, ein Plus von mehr als 42 Prozent.

2026 beschleunigte sich diese Entwicklung noch einmal.

Allein im ersten Halbjahr gingen 33.243 neue Anträge ein. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 entspricht das einem weiteren Zuwachs von 62 Prozent.

Besonders auffällig ist die Entwicklung aus deutscher Perspektive.

Im ersten Quartal 2026 belegten deutsche Staatsangehörige bei den tatsächlich erteilten Aufenthaltsgenehmigungen bereits Platz drei – hinter Brasilien und Argentinien, aber vor sämtlichen anderen Staaten außerhalb des Mercosur.

Paraguay ist damit längst nicht mehr nur das Ziel einer kleinen Auswandererszene.

Es wird international entdeckt.

Touristen kommen ebenfalls

Noch deutlicher zeigt sich dieser Wandel im Tourismus.

Im ersten Quartal 2025 verzeichnete Paraguay nach Daten von UN Tourism mit einem Plus von 53 Prozent das stärkste Wachstum internationaler Touristenankünfte unter den ausgewiesenen Destinationen.

Ein Jahr später geschah dasselbe erneut.

Im ersten Quartal 2026 lag Paraguay mit weiteren 46 Prozent Wachstum erneut an der Spitze der von UN Tourism ausgewiesenen Destinationen – vor Neukaledonien, El Salvador, der Mongolei und weiteren stark wachsenden Reisezielen.

Damit führte Paraguay im ersten Quartal zum zweiten Mal in Folge diese internationale Wachstumsstatistik an.

Natürlich ist Wachstum nicht dasselbe wie absolutes Volumen.

Paraguay empfängt noch immer erheblich weniger internationale Besucher als klassische Tourismusländer.

Aber gerade das macht die Entwicklung interessant.

Ein Land, das touristisch jahrzehntelang kaum wahrgenommen wurde, beginnt sichtbar Marktanteile zu gewinnen.

Auch Tourismus ist damit Teil eines größeren Musters.

Kapital kommt

Parallel dazu erreichen die ausländischen Direktinvestitionen neue Größenordnungen.

Nach den für 2025 veröffentlichten CEPAL-Daten erreichten die Nettozuflüsse ausländischer Direktinvestitionen rund 1,18 Milliarden US-Dollar.

Damit setzte sich eine Entwicklung fort, die bereits in den Vorjahren deutlich sichtbar geworden war.

Noch interessanter als die reine Gesamtsumme ist, wohin neues Kapital fließt.

Zu den Bereichen mit größeren angekündigten Investitionen gehören unter anderem Telekommunikation, Dateninfrastruktur und Rechenzentren, Lebensmittelproduktion und erneuerbare Energien.

Das passt zu einer strukturellen Besonderheit Paraguays:

Das Land verfügt über Ressourcen, die in einer zunehmend energiehungrigen Welt wirtschaftlich an Bedeutung gewinnen.

Eine Wirtschaft, die tatsächlich wächst

Auch die Realwirtschaft liefert Argumente.

Für 2025 geht die paraguayische Zentralbank von einem realen Wirtschaftswachstum von rund sechs Prozent aus.

Für 2026 werden weiterhin rund 4,2 Prozent erwartet.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Höhe des Wachstums.

Es findet bei vergleichsweise moderater Inflation und einer öffentlichen Verschuldung statt, die mit ungefähr 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – abhängig von der jeweiligen Abgrenzung – deutlich unter dem lateinamerikanischen Durchschnitt liegt.

Paraguay wächst also nicht ausschließlich über massive staatliche Verschuldung.

Auch das ist international aufgefallen.

Vom übersehenen Land zum Investment Grade

2024 hob Moody’s Paraguay erstmals auf Investment Grade an.

Im Dezember 2025 folgte Standard & Poor’s und stufte das Land auf BBB− hoch.

Paraguay verfügt damit inzwischen bei zwei der drei großen internationalen Ratingagenturen über Investment Grade.

Fitch lag zuletzt noch eine Stufe darunter, allerdings mit positivem Ausblick.

Für einen Staat, der international über Jahrzehnte wirtschaftlich kaum wahrgenommen wurde, ist das mehr als ein symbolischer Erfolg.

Investment Grade beeinflusst Finanzierungskosten, institutionelle Anlageentscheidungen und die Wahrnehmung eines Landes durch internationale Investoren.

Aus einem lange als exotisch wahrgenommenen Standort wird schrittweise ein auch für institutionelle Anleger investierbarer Markt.

Der Guaraní: eine ungewöhnlich beständige Währung

Auch Paraguays Währung verdient einen genaueren Blick.

Der Guaraní wurde 1943 geschaffen und gehört zu den ältesten noch unverändert bestehenden Währungen Lateinamerikas.

Während zahlreiche Staaten der Region in den vergangenen Jahrzehnten Währungsreformen, Hyperinflation oder massive Abwertungszyklen erlebt haben, blieb der Guaraní bemerkenswert beständig.

Zuletzt zeigte sich sogar die entgegengesetzte Entwicklung.

Innerhalb von zwölf Monaten gewann der Guaraní gegenüber Dollar und Euro erheblich an Wert.

Je nach Berechnungsmethode entspricht die Veränderung des Wechselkurses ungefähr 20 Prozent beziehungsweise – invers als Wertzuwachs des Guaraní gerechnet – rund einem Viertel.

Für bereits in Paraguay investiertes ausländisches Kapital kann eine solche Entwicklung zusätzliche Wechselkurseffekte erzeugen.

Für neu einsteigendes Kapital gilt allerdings auch die andere Seite: In Guaraní bewertete Vermögenswerte werden dadurch aus Sicht eines Dollar- oder Euro-Investors zunächst teurer.

Eine starke Währung ist kein kostenloses Geschenk.

Aber sie ist ein weiteres Indiz dafür, dass internationale Kapitalströme und makroökonomische Wahrnehmung Paraguays sich verändern.

Wenn ein Wirtschaftsboom sichtbar wird

Statistiken bleiben abstrakt.

Stadtbilder nicht.

Wer Asunción vor zehn oder fünfzehn Jahren kannte und heute zurückkehrt, findet eine sichtbar veränderte Stadt vor.

Neue Wohnhochhäuser, Bürogebäude, Hotels und Mixed-Use-Projekte verändern insbesondere die östlichen Wachstumsachsen der Hauptstadt.

Mehrere Hochhausprojekte erreichen inzwischen Dimensionen, die für Asunción noch vor wenigen Jahren ungewöhnlich gewesen wären.

Paseo 55 entsteht mit 55 Geschossen.

Petra Imperiale ist mit rund 250 Metern Höhe projektiert.

Weitere Hochhäuser und größere Immobilienprojekte befinden sich gleichzeitig im Bau oder in Planung.

Man könnte versucht sein, vom „Dubai Südamerikas“ zu sprechen.

Der Vergleich wäre im Maßstab selbstverständlich unsinnig.

Asunción wird nicht Dubai.

Interessant ist etwas anderes:

Kapital hinterlässt Spuren.

Und in Asunción werden diese Spuren inzwischen in Beton, Glas und Stahl sichtbar.

Der Immobilienboom ist damit nicht der Beweis für Paraguays wirtschaftliche Entwicklung.

Aber er ist eines ihrer sichtbarsten Symptome.

Energie: ein Standortvorteil, den andere Länder erst teuer schaffen müssen

Paraguays vielleicht außergewöhnlichster struktureller Standortvorteil liegt in seiner Energieversorgung.

Mit Itaipú und Yacyretá verfügt das Land über zwei der bedeutendsten Wasserkraftwerke der Region.

Über Jahrzehnte produzierte Paraguay wesentlich mehr elektrische Energie, als es selbst verbrauchen konnte. Große Teile der verfügbaren Energie wurden deshalb an Brasilien und Argentinien abgegeben.

Das beginnt sich zu verändern.

2025 stieg der paraguayische Stromverbrauch um 12,5 Prozent.

In den ersten fünf Monaten 2026 lag er nochmals 19,4 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Das ist bemerkenswert.

Denn Paraguay beginnt zunehmend, einen Standortvorteil selbst wirtschaftlich zu nutzen, den es über Jahrzehnte zu großen Teilen exportiert hat.

Energieintensive Industrien, Rechenzentren und digitale Infrastruktur treffen hier auf große Mengen erneuerbarer Wasserkraft und international sehr wettbewerbsfähige Stromkosten.

Allerdings gibt es auch hier eine wichtige Einschränkung.

Viel verfügbare Energie bedeutet nicht automatisch, dass sie jederzeit an jedem Ort des Landes in beliebiger Leistung abrufbar ist.

Das Übertragungs- und Verteilungsnetz muss mit der schnell steigenden Nachfrage Schritt halten. Netzausbau, technische Verluste und zusätzliche Infrastrukturinvestitionen bleiben deshalb zentrale Aufgaben.

Der Engpass Paraguays liegt langfristig weniger in der Erzeugung von Energie als in ihrer effizienten Verteilung.

Wasser: ein Standortfaktor des 21. Jahrhunderts

Noch eine Ressource wird bei Standortanalysen häufig unterschätzt: Wasser.

In vielen wirtschaftlich erfolgreichen Regionen der Welt wird Wasserknappheit zunehmend zu einem strategischen Problem.

Staaten am Persischen Golf können fehlende natürliche Wasservorkommen durch technisch aufwendige Meerwasserentsalzung kompensieren.

Das funktioniert – solange Energieversorgung und technische Infrastruktur funktionieren.

Paraguay befindet sich in einer grundlegend anderen Ausgangslage.

Das Land verfügt über regelmäßige Niederschläge, große Flusssysteme und liegt zugleich über einem Teil des Guaraní-Aquifers, eines der größten grenzüberschreitenden Grundwassersysteme der Erde.

Der Aquifer erstreckt sich unter Teilen Paraguays, Brasiliens, Argentiniens und Uruguays.

Das bedeutet nicht, dass Wasser in Paraguay unbegrenzt oder überall ohne Infrastruktur verfügbar wäre.

Aber es bedeutet, dass das Land über eine natürliche Ressourcenausstattung verfügt, deren strategischer Wert in den kommenden Jahrzehnten eher steigen als sinken dürfte.

Kapital kann Straßen bauen.

Kapital kann Gebäude errichten.

Kapital kann Kraftwerke finanzieren.

Natürliche Wasserreserven lassen sich dagegen nur sehr begrenzt herbeiinvestieren.

Vom Binnenstaat zum Verbindungskorridor

Paraguays geografische Lage wurde traditionell als Nachteil betrachtet.

Das Land besitzt keinen eigenen Zugang zum Meer.

Für internationalen Handel bedeutet das zusätzliche Transportwege und Abhängigkeit von grenzüberschreitender Infrastruktur.

Doch genau diese Lage könnte künftig eine zweite Bedeutung erhalten.

Mit dem Bioceanic Corridor entsteht eine neue Verkehrsachse, die den Atlantik über Brasilien, Paraguay und Argentinien mit den Pazifikhäfen Chiles verbinden soll.

Paraguay liegt nicht am Rand dieses Korridors.

Es liegt mitten darin.

Ein zentraler Baustein ist die neue internationale Brücke zwischen Carmelo Peralta in Paraguay und Porto Murtinho in Brasilien. Gleichzeitig werden große Straßenabschnitte durch den bislang infrastrukturell schwach erschlossenen Chaco ausgebaut.

Für Paraguay eröffnet das eine neue Perspektive.

Aus einem Binnenstaat könnte zunehmend ein Transit-, Logistik- und Produktionsstandort zwischen den beiden Ozeanen werden.

Der Korridor beseitigt die Nachteile der Binnenlage nicht.

Aber er verändert ihre wirtschaftliche Bedeutung.

Die geografische Mitte Südamerikas wird erst dann zum Standortvorteil, wenn sie tatsächlich verbunden ist.

Und möglicherweise liegt noch mehr unter der Erde

Eine weitere Entwicklung befindet sich noch in einem deutlich früheren Stadium.

Im paraguayischen Chaco laufen großflächige geophysikalische Untersuchungen nach Lithium und anderen kritischen Mineralien.

Ein Konsortium mehrerer Unternehmen untersucht insgesamt rund zwei Millionen Hektar. Für Prospektion und Exploration wurden Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe angekündigt.

Hier ist Zurückhaltung wichtig.

Prospektion ist keine nachgewiesene Lagerstätte.

Und eine geologische Anomalie ist noch lange kein wirtschaftlich förderbares Rohstoffvorkommen.

Von „riesigen Lithiumreserven Paraguays“ zu sprechen, wäre nach heutigem Kenntnisstand voreilig.

Sollten sich die Erwartungen jedoch bestätigen, könnte daraus langfristig ein weiterer Standortfaktor entstehen.

Im Moment ist es nicht mehr – aber eben auch nicht weniger – als eine interessante Option auf zusätzliches Potenzial.

Sicherheit: Warum der Landesdurchschnitt täuschen kann

Auch beim Thema Sicherheit lohnt sich ein genauer Blick auf die Landkarte.

Paraguay hat reale Probleme mit organisierter Kriminalität, Schmuggel und grenzüberschreitenden kriminellen Strukturen.

Diese Probleme sind jedoch regional stark konzentriert.

Das US-Außenministerium führt Paraguay insgesamt auf der niedrigsten Warnstufe 1 – „Exercise Normal Precautions“.

Lediglich die Departamentos Alto Paraná, Amambay, Canindeyú, Concepción und San Pedro werden aufgrund erhöhter Kriminalitätsrisiken gesondert auf Stufe 2 geführt.

Dort sind kriminelle Gruppen insbesondere im Waffen-, Drogen- und Warenschmuggel entlang der nordöstlichen Grenze zu Brasilien aktiv.

Für die Standortbetrachtung Asuncións ist diese regionale Differenzierung entscheidend.

Die Hauptstadt gehört nicht zu diesen höher eingestuften Gebieten.

Organisierte Kriminalität in Grenzregionen und die alltägliche Sicherheitslage im Großraum Asunción sind deshalb nicht dasselbe.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Asunción kriminalitätsfrei wäre.

Eigentumsdelikte und gewöhnliche Großstadtkriminalität existieren selbstverständlich auch hier.

Aber die schweren Probleme bestimmter Grenzregionen prägen das tägliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Hauptstadt nicht in vergleichbarer Weise.

Ein bemerkenswerter Vergleich verdeutlicht die Einordnung:

Während Paraguay vom US-Außenministerium insgesamt auf Warnstufe 1 geführt wird, steht Deutschland derzeit auf Warnstufe 2 – dort aufgrund des Terrorismusrisikos.

Das macht Paraguay nicht pauschal „sicherer als Deutschland“.

Es zeigt aber, wie wenig manche verbreiteten Vorstellungen über die Sicherheitslage des Landes mit einer differenzierten Betrachtung zu tun haben.

Ein wirtschaftspolitisch bemerkenswert kontinuierliches Land

Paraguay ist keine perfekte Demokratie und kein institutionelles Musterland.

Korruption, schwache staatliche Strukturen und Defizite bei Verwaltung und Rechtsdurchsetzung gehören weiterhin zu den realen Problemen des Landes.

Gleichzeitig besitzt Paraguay im lateinamerikanischen Vergleich eine bemerkenswerte wirtschaftspolitische Kontinuität.

Seit dem Ende der Stroessner-Diktatur und dem Übergang zur Demokratie Ende der 1980er Jahre hat das Land keine vergleichbaren radikalen wirtschaftspolitischen Systemwechsel erlebt wie manche Staaten der Region.

Die wirtschaftspolitische Grundrichtung blieb über lange Zeit markt- und investitionsfreundlich.

Ausländische Investoren werden rechtlich grundsätzlich inländischen Investoren gleichgestellt.

Kapital- und Gewinntransfers sind möglich.

Eigentum an Unternehmen und – unter Beachtung der gesetzlichen Einschränkungen insbesondere in Grenzzonen – auch Immobilien steht Ausländern grundsätzlich offen.

Hinzu kommen vergleichsweise zugängliche Aufenthalts- und Investitionsregime.

Diese Kombination aus wirtschaftspolitischer Kontinuität und niedrigen Eintrittsbarrieren gehört zu den Gründen, weshalb Paraguay zunehmend internationales Kapital anzieht.

Und ja: Auch Steuern spielen eine Rolle

Natürlich lässt sich die Attraktivität Paraguays nicht vollständig beschreiben, ohne das Steuersystem zu erwähnen.

Die nominal niedrigen Steuersätze, das Territorialprinzip und spezielle Investitionsregime gehören zweifellos zu den Standortvorteilen. Wie unterschiedlich internationale Steuerregime dabei funktionieren und warum nominale Prozentsätze deshalb kaum vergleichbar sind, zeigt der Beitrag 0 %, 1 % oder 5 %? Warum Steuersätze international fast nichts miteinander vergleichen.

Aber sie sind eben nur ein Teil des Bildes.

Gerade deshalb ist es problematisch, Paraguay ausschließlich als „0-Prozent-Steuerland“ zu vermarkten.

Das ist sachlich falsch und wird dem Standort nicht einmal gerecht.

Paraguay braucht solche Mythen nicht.

Wer von Paraguay aus arbeitet, kann sehr wohl paraguayischer Einkommensteuer unterliegen – auch wenn die Kunden im Ausland sitzen oder eine ausländische Gesellschaft zwischengeschaltet wird.

Die steuerlichen Details und insbesondere die verbreiteten Missverständnisse rund um das Territorialprinzip behandeln wir ausführlich in unserem Perspektiven-Beitrag: Paraguay – Territorialbesteuerung: Gesetz vs. Praxis.

Ein Boomland ohne Baustellen wäre verdächtig

All diese positiven Entwicklungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Paraguay weiterhin ein Schwellenland ist.

Die Verkehrsinfrastruktur muss weiter ausgebaut werden.

Das Stromnetz muss mit dem rasanten Wachstum des Verbrauchs Schritt halten.

Öffentliche Verwaltung und Justiz funktionieren nicht überall mit der Effizienz, die europäische Investoren gewohnt sind.

Korruption bleibt ein Thema.

Die Binnenlage erzeugt trotz neuer Verkehrsachsen reale Logistikkosten.

Und schnelles Wachstum erzeugt eigene Probleme.

Steigende Grundstücks- und Immobilienpreise, zunehmender Verkehr, Belastungen der urbanen Infrastruktur und wachsende Anforderungen an Energie- und Wassernetze sind die Kehrseite einer Entwicklung, die schneller voranschreitet als manche öffentliche Infrastruktur.

Aber genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen einem etablierten Standort und einem Entwicklungsstandort.

Beim ersten bezahlt man für das, was bereits vorhanden ist.

Beim zweiten investiert man in das, was gerade entsteht.

Wenn viele Kurven gleichzeitig nach oben zeigen

Migration steigt.

Tourismus steigt.

Ausländisches Kapital kommt ins Land.

Die Wirtschaft wächst.

Die Bonität verbessert sich.

Die Hauptstadt baut.

Der Stromverbrauch steigt zweistellig.

Neue Verkehrsachsen entstehen.

Und internationale Investoren beginnen, Ressourcen und Möglichkeiten zu entdecken, die über Jahrzehnte kaum eine Rolle in der globalen Standortdiskussion spielten.

Keine dieser Entwicklungen beweist für sich genommen einen dauerhaften wirtschaftlichen Aufstieg.

Auch Paraguay wird Konjunkturzyklen erleben.

Nicht jedes Immobilienprojekt wird erfolgreich sein.

Nicht jede Investition wird sich rechnen.

Nicht jede politische Entscheidung wird vernünftig ausfallen.

Aber wenn zahlreiche voneinander unabhängige Indikatoren gleichzeitig in dieselbe Richtung zeigen, sollte man zumindest genauer hinsehen.

Paraguay wird entdeckt

Vielleicht ist das die eigentliche Geschichte Paraguays im Jahr 2026.

Nicht, dass plötzlich alles perfekt wäre.

Sondern dass ein Land, das über Jahrzehnte international weitgehend übersehen wurde, beginnt, sein vorhandenes Potenzial wirtschaftlich zu nutzen.

Wasser.

Energie.

Land.

Eine strategische Lage im Zentrum eines Kontinents.

Eine vergleichsweise stabile Währung.

Niedrige Staatsverschuldung.

Wirtschaftspolitische Kontinuität.

Ein investitionsfreundliches Umfeld.

Und zunehmend Menschen und Kapital, die genau das erkennen.

Wer Paraguay ausschließlich wegen niedriger Steuern betrachtet, sieht deshalb nur einen kleinen Teil des Bildes.

Und wer das Land noch immer als verschlafenen Binnenstaat irgendwo zwischen Brasilien und Argentinien betrachtet, möglicherweise ebenfalls.

Paraguay ist nicht fertig.

Gerade das macht den Standort interessant.

Denn manchmal liegt die größte Chance nicht dort, wo bereits alles glänzt.

Sondern dort, wo man beobachten kann, wie etwas entsteht.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und gibt den Stand vom 3. August 2026 wieder. Er stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall dar. Angaben zu Wirtschafts-, Migrations- und Energiedaten beruhen auf den jeweils veröffentlichten Angaben der genannten Institutionen und können sich fortlaufend ändern.

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