Impuestos y estructuras

Paraguay: Territorialbesteuerung heißt nicht automatisch 0 % Steuern

Paraguay besteuert grundsätzlich Einkünfte aus paraguayischen Quellen. Das macht den Standort für internationale Vermögens- und Unternehmensstrukturen interessant. Doch wer in Paraguay lebt und von dort persönlich arbeitet, erzielt nicht allein deshalb steuerfreies Auslandseinkommen, weil Kunde, Firma oder Bankkonto im Ausland sitzen.

Klaus J. P.-Kilfitt · 14. Juni 2026 · 11 min de lectura

Paraguay gilt in Auswandererforen, sozialen Netzwerken und Teilen der internationalen Beratungsbranche als nahezu steuerfreies Land. Die Geschichte klingt meistens ungefähr so: Residencia beantragen, Cédula bekommen, RUC anmelden, ausländische Kunden bedienen, Rechnungen ins Ausland schreiben – und anschließend in Paraguay keine Einkommensteuer zahlen. Manchmal wird noch eine US LLC dazwischengeschaltet. Dann soll aus der vermeintlichen Nullsteuerlösung endgültig eine internationale Struktur geworden sein.

Das Problem daran: So funktioniert das paraguayische Steuerrecht nicht. Paraguay besitzt tatsächlich ein Territorialprinzip. Und genau dieses Territorialprinzip kann für international aufgestellte Unternehmer und vermögende Privatpersonen ausgesprochen attraktiv sein. Aber Territorialbesteuerung bedeutet nicht: Alles, was aus dem Ausland bezahlt wird, ist steuerfrei.

Der entscheidende Begriff lautet nicht „Ausland“. Er lautet: Quelle.

Blick über den Río Paraguay auf die Skyline von Asunción im warmen Abendlicht, im Vordergrund eine paraguayische Flagge, Termo und Mate-Gefäß auf einem Holzgeländer.
Paraguay besteuert grundsätzlich Einkünfte paraguayischer Quelle – entscheidend ist nicht, woher die Zahlung kommt, sondern wo die Einkunft entsteht.

Paraguay ist kein 0-%-Land

Das paraguayische Einkommensteuerrecht folgt grundsätzlich einem Quellenprinzip. Beim Impuesto a la Renta Personal, kurz IRP, werden Einkünfte paraguayischer Quelle erfasst. Das unterscheidet Paraguay fundamental von Staaten, die ihre Steuerresidenten grundsätzlich auf ihr weltweites Einkommen besteuern.

Diese Unterscheidung ist erheblich. Aber daraus folgt eben nicht, dass ein paraguayischer Steuerresident grundsätzlich keine Steuern auf Einkommen zahlt, sobald sein Kunde, sein Bankkonto oder seine Gesellschaft außerhalb Paraguays sitzt.

Zuerst muss geklärt werden: Wo entsteht das Einkommen steuerlich?

Territorialbesteuerung ist eine Quellenfrage

Der Begriff Territorialbesteuerung klingt zunächst einfach: Ein Staat besteuert, was innerhalb seines Territoriums entsteht. Was außerhalb entsteht, bleibt grundsätzlich außerhalb seiner Besteuerung. Warum diese Einfachheit in der Praxis trügt, haben wir grundsätzlich im Beitrag Territorialbesteuerung: Gesetz vs. Praxis beschrieben.

Schwierig wird es bei der Frage: Wo entsteht eine konkrete Einkunft? Bei einer Immobilie ist das häufig relativ intuitiv. Bei einer persönlichen Dienstleistung sieht es anders aus.

Ein Unternehmensberater lebt in Asunción. Seine Kunden sitzen in Deutschland. Die Verträge werden per E-Mail geschlossen. Die Rechnungen gehen nach Deutschland. Die Zahlung landet vielleicht sogar auf einem Bankkonto in den USA. Wo entsteht das Einkommen?

Die Antwort lautet nicht automatisch: Deutschland oder USA. Denn für persönlich erbrachte Dienstleistungen spielt nach paraguayischem Steuerrecht gerade der Ort eine zentrale Rolle, an dem die Tätigkeit tatsächlich ausgeübt wird.

Mythos: „Mein Kunde sitzt im Ausland, also ist mein Einkommen steuerfrei“

Das dürfte einer der hartnäckigsten Paraguay-Mythen überhaupt sein. Eine Person lebt in Paraguay und arbeitet von dort für ausländische Auftraggeber.

  • Softwareentwicklung und Programmierung
  • Marketing und Design
  • Unternehmensberatung
  • Coaching
  • Administrative Dienstleistungen
  • Oder andere persönlich ausgeübte Tätigkeiten

Die Auftraggeber sitzen in Europa oder Nordamerika. Das Honorar kommt aus dem Ausland. Daraus wird dann geschlossen: Auslandseinkommen.

Diese Schlussfolgerung ist falsch. Wird die persönliche Leistung tatsächlich von Paraguay aus erbracht, kann daraus Einkommen paraguayischer Quelle entstehen. Der Sitz des Kunden verändert nicht automatisch den Ort der Leistung.

Asunción bleibt Asunción – auch wenn der Kunde in Berlin sitzt

Nehmen wir einen deutschen Unternehmensberater. Er ist nach Paraguay gezogen. Sein Büro befindet sich in Asunción. Von dort führt er Videokonferenzen, erstellt Analysen, schreibt Konzepte und berät seine deutschen Mandanten. Seine Rechnungen gehen ausschließlich nach Deutschland. Sein Geld erhält er auf einem Konto außerhalb Paraguays.

Wirtschaftlich mag sein Geschäft vollkommen international aussehen. Die persönliche Tätigkeit findet trotzdem in Paraguay statt.

Genau deshalb darf „ausländischer Kunde“ nicht mit „ausländische Einkunftsquelle“ gleichgesetzt werden. Das ist keine semantische Spitzfindigkeit. Es entscheidet darüber, ob Einkommen in Paraguay steuerpflichtig sein kann.

Und trotzdem kann die Rechnung ohne paraguayische IVA sein

An dieser Stelle entsteht ein weiteres Missverständnis. Denn Einkommensteuer und Mehrwertsteuer beantworten unterschiedliche Fragen.

Eine von Paraguay aus erbrachte Dienstleistung, die von einem ausländischen Empfänger außerhalb Paraguays genutzt bzw. wirtschaftlich verwertet wird, kann umsatzsteuerlich nach den einschlägigen paraguayischen Regeln bzw. der Verwaltungspraxis außerhalb der paraguayischen IVA-Belastung liegen. Maßgeblich sind dabei die konkreten Voraussetzungen – insbesondere die tatsächliche Nutzung oder wirtschaftliche Verwertung der Leistung außerhalb Paraguays – und deren Nachweis.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass auch das daraus erzielte Einkommen für Zwecke des IRP steuerfrei ist. Genau diese Unterscheidung ist entscheidend. Und ebenso wenig gilt der pauschale Satz, jede ins Ausland fakturierte Dienstleistung sei automatisch IVA-frei.

IVA-frei bedeutet nicht einkommensteuerfrei

Stellen wir uns wieder unseren Berater in Asunción vor. Er erbringt seine Leistung für ein Unternehmen in Europa. Die Leistung wird dort genutzt. Auf der paraguayischen Rechnung fällt unter den einschlägigen Voraussetzungen keine paraguayische IVA an.

Bei einem B2B-Empfänger beispielsweise innerhalb der Europäischen Union kann auf Empfängerseite – abhängig von Art der Leistung und konkreter Konstellation – die dortige umsatzsteuerliche Reverse-Charge-Systematik greifen. Das ist der typische Grundfall, nicht die ausnahmslose Regel: Für bestimmte Leistungen, etwa mit Grundstücksbezug oder bei Veranstaltungen, gelten abweichende Orts- und Sonderregeln.

Damit ist die Umsatzsteuerfrage beantwortet. Aber nicht die Einkommensteuerfrage. Für den paraguayischen IRP muss weiterhin geprüft werden, wo die persönliche Tätigkeit ausgeübt wurde. Und wenn sie in Paraguay ausgeübt wurde, kann daraus Einkommen paraguayischer Quelle entstehen.

Zwei Steuern. Zwei unterschiedliche Prüfungen.

Das ausländische Bankkonto verändert daran nichts

Auch der Zahlungsweg bestimmt nicht automatisch die Einkunftsquelle. Das Honorar kann auf ein Konto in Deutschland gehen. Oder in den USA. Oder bei einem internationalen Zahlungsdienstleister eingehen.

Die Bankverbindung sagt zunächst nur, wohin das Geld überwiesen wurde. Sie sagt nicht, wo die zugrunde liegende wirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt wurde. Ein Konto verschiebt keine Arbeitsleistung über eine Staatsgrenze.

Mythos: „Dann schalte ich eben eine US LLC dazwischen“

Hier wird aus einem Missverständnis häufig eine vermeintliche internationale Steuerstruktur. Der in Paraguay lebende Unternehmer gründet beispielsweise eine US LLC. Die LLC schließt die Verträge mit den Kunden. Die LLC schreibt die Rechnungen. Die Kunden bezahlen auf das US-Geschäftskonto.

Der Eigentümer lebt weiterhin in Paraguay und erbringt von dort persönlich sämtliche Leistungen. Später fließt Geld von der LLC an den Eigentümer. Und nun soll allein deshalb aus der in Paraguay erbrachten Arbeit ausländisches Einkommen geworden sein. So einfach ist es nicht.

Die Bezeichnung eines Zahlungsstroms ersetzt keine Substanz

Eine ausländische Gesellschaft kann ein ausgesprochen sinnvolles Element einer internationalen Struktur sein. Das gilt ausdrücklich auch für eine US LLC. Sie kann Vertragspartner sein. Sie kann internationale Zahlungsströme bündeln. Sie kann operative, haftungsrechtliche und organisatorische Funktionen erfüllen. Und sie kann innerhalb einer sauber aufgebauten internationalen Struktur erhebliche Vorteile besitzen.

Was eine Gesellschaft jedoch nicht kann: durch ihre bloße Existenz den tatsächlichen Ort einer persönlich erbrachten Leistung verändern.

Eine EIN und ein Bankkonto schaffen noch keine ausländische Wertschöpfung

Besonders erklärungsbedürftig wird eine Struktur, wenn eine Single-Member-Gesellschaft außerhalb Paraguays keinerlei eigene operative Substanz besitzt.

  • Keine Mitarbeiter.
  • Keine Personen, die außerhalb Paraguays die eigentlichen Leistungen erbringen.
  • Keine eigenständigen operativen Funktionen.
  • Keine dort stattfindende Wertschöpfung.

Stattdessen sitzt der einzige Eigentümer in Paraguay und erledigt persönlich die gesamte Arbeit. In einer solchen Konstellation sollte man nicht darauf vertrauen, dass allein die Zwischenschaltung einer ausländischen Gesellschaft aus einer tatsächlich in Paraguay erbrachten persönlichen Tätigkeit automatisch ausländisches Einkommen macht.

Auch die spätere Bezeichnung eines Geldflusses als „Dividende“ oder „Ausschüttung“ beantwortet nicht automatisch die vorgelagerte Frage: Wo fand die tatsächliche Wertschöpfung statt?

Eine US LLC ist kein Steuerspar-Zauberstab – und auch kein Problem an sich

Das ist eine wichtige Unterscheidung. Eine US LLC ist weder automatisch steuerfrei noch automatisch problematisch. Sie ist ein Strukturierungsinstrument. Ob und wie sie sinnvoll eingesetzt werden kann, hängt von ihrer tatsächlichen Funktion innerhalb der Gesamtstruktur ab.

Die falsche Frage lautet: „Kann ich mit einer LLC meine paraguayische Steuer auf null setzen?“ Die richtige Frage lautet: „Welche Funktion erfüllt die LLC, welche Leistungen werden wo erbracht und wie sind die daraus entstehenden Zahlungsströme steuerlich zu qualifizieren?“

Und noch eine Abgrenzung gehört dazu: Paraguayische Quellenregeln und deutsche Missbrauchs- bzw. Hinzurechnungsregeln sind zwei vollkommen verschiedene Regelwerke. Wer seinen steuerlichen Wohnsitz tatsächlich nicht wirksam aus Deutschland verlagert hat, bewegt sich in einer ganz anderen Prüfungslage – dazu die Hinzurechnungsbesteuerung und CFC Rules.

Echte ausländische Substanz ist etwas anderes

Stellen wir uns dagegen ein Unternehmen vor, das tatsächlich außerhalb Paraguays wirtschaftliche Funktionen besitzt. Mitarbeiter arbeiten dort. Leistungen werden dort erbracht. Entscheidende operative Funktionen finden dort statt. Es existiert eine eigenständige Organisation. Die Gesellschaft besitzt tatsächliche wirtschaftliche Substanz.

Dann sprechen wir über einen vollkommen anderen Sachverhalt als beim Ein-Mann-Unternehmer, der sämtliche Leistungen persönlich aus seinem Arbeitszimmer in Paraguay erbringt. Internationale Strukturen können funktionieren. Aber die wirtschaftliche Realität muss zur rechtlichen Struktur passen.

Genau deshalb bleibt Paraguay hochinteressant

Bis hierher könnte der Eindruck entstehen, Paraguays Territorialprinzip sei weniger attraktiv, als häufig behauptet wird. Das Gegenteil ist der Fall. Man muss nur verstehen, wo seine tatsächlichen Stärken liegen.

Paraguay besteuert eben nicht nach demselben Grundprinzip wie klassische Welteinkommenssteuerstaaten. Entscheidend ist grundsätzlich die paraguayische Einkunftsquelle. Und genau das kann für Menschen mit internationalem Vermögen, bestimmten ausländischen Kapitalerträgen und tatsächlich außerhalb Paraguays stattfindenden wirtschaftlichen Aktivitäten ausgesprochen interessant sein.

Persönliche Arbeit ist nicht dasselbe wie Kapital

Hier liegt einer der wichtigsten Unterschiede. Eine Person, die jeden Morgen in Paraguay ihren Computer einschaltet und acht Stunden persönlich Dienstleistungen erbringt, befindet sich steuerlich in einer anderen Situation als jemand, dessen Einkommen aus tatsächlich ausländischen Vermögenswerten oder bestimmten ausländischen Kapital- und Unternehmensstrukturen stammt.

Beide können Geld aus dem Ausland erhalten. Aber die Herkunft des Geldes ist wirtschaftlich und steuerlich vollkommen unterschiedlich. Wieder zeigt sich: Der Zahlungsweg ist nicht die Einkunftsquelle.

Ausländisches Vermögen bleibt ein zentraler Vorteil

Gerade für vermögende Privatpersonen kann das paraguayische Territorialprinzip interessant sein. Wer Vermögenswerte außerhalb Paraguays hält, muss nicht automatisch davon ausgehen, dass sämtliche daraus entstehenden Einkünfte allein aufgrund seiner paraguayischen Steuerresidenz nach dem Prinzip des Welteinkommens in Paraguay besteuert werden.

Aber auch hier muss jede Einkunftsart korrekt qualifiziert werden.

  • Dividende.
  • Zins.
  • Veräußerungsgewinn.
  • Mieteinnahme.
  • Unternehmensgewinn.
  • Persönliches Honorar.

Das sind keine austauschbaren Begriffe. Die Frage bleibt: Wo liegt nach paraguayischem Recht die jeweilige Einkunftsquelle?

Person und Gesellschaft sind nicht dasselbe

Internationale Strukturen werden häufig unnötig verwirrend, weil die steuerlichen Ebenen vermischt werden. Eine natürliche Person ist nicht ihre Gesellschaft. Der Umsatz einer Gesellschaft ist nicht automatisch persönliches Einkommen des Gesellschafters. Eine Ausschüttung ist nicht dasselbe wie ein Honorar. Und eine Gesellschaft im Ausland bedeutet nicht automatisch, dass jede damit verbundene wirtschaftliche Tätigkeit ebenfalls im Ausland stattfindet.

Deshalb muss eine internationale Struktur Ebene für Ebene betrachtet werden:

  • Wer schließt den Vertrag?
  • Wer erbringt die Leistung?
  • Wo wird sie erbracht?
  • Wer erhält das Geld?
  • Auf welcher Rechtsgrundlage?
  • Und warum fließt es anschließend an eine andere Person oder Gesellschaft weiter?

Sobald mehrere Staaten gleichzeitig ein Besteuerungsrecht beanspruchen, kommt eine weitere Ebene hinzu: die Verteilung der Besteuerungsrechte durch ein Doppelbesteuerungsabkommen. Paraguay besitzt allerdings nur ein sehr begrenztes Abkommensnetz – ein Abkommen mit Deutschland existiert nicht.

Der nächste Mythos: „Ich habe eine Residencia, also bin ich steuerlich resident“

Auch das ist zu einfach. Paraguayische Residencia ist zunächst ein migrationsrechtlicher Status. Sie regelt das Aufenthaltsrecht. Steuerliche Ansässigkeit ist eine steuerrechtliche Frage. Ein RUC ist wiederum eine steuerliche Registrierung. Und eine steuerliche Ansässigkeitsbescheinigung dient dem Nachweis einer entsprechenden steuerlichen Situation.

Diese Begriffe hängen miteinander zusammen. Sie sind aber nicht austauschbar.

Residencia, Cédula, RUC und steuerliche Ansässigkeit

Eine Residencia beantwortet: Darf die Person entsprechend ihrem Status in Paraguay leben? Die Cédula ist das paraguayische Identitätsdokument. Der RUC ist die steuerliche Registrierungsnummer. Eine steuerliche Ansässigkeitsbescheinigung – häufig als Tax Residence Certificate oder TRC bezeichnet – dient dazu, eine steuerliche Ansässigkeit gegenüber Dritten nachzuweisen.

Keines dieser Dokumente verändert jedoch durch seine bloße Existenz die tatsächliche Herkunft eines Einkommens. Wie Aufenthaltsstatus, steuerliche Ansässigkeit und tatsächlicher Tätigkeitsort auseinanderfallen können, zeigt der Beitrag Steuerwohnsitz & Betriebsstätte.

Ein Zertifikat kann einen steuerlichen Sachverhalt dokumentieren. Es verwandelt aber keine in Paraguay erbrachte persönliche Arbeitsleistung in ausländische Wertschöpfung.

Dokumente ersetzen keine Realität

Das ist letztlich dieselbe Logik wie bei der ausländischen Gesellschaft. Eine LLC ändert nicht automatisch den Ort der Leistung. Ein ausländisches Konto ändert nicht automatisch die Einkunftsquelle. Eine TRC ändert nicht automatisch die steuerliche Qualität eines Zahlungsstroms. Und eine Residencia beantwortet nicht automatisch sämtliche Fragen der internationalen Steueransässigkeit.

Internationale Strukturen funktionieren nicht durch Etiketten. Sie funktionieren durch die Übereinstimmung von rechtlicher Struktur und tatsächlichen Verhältnissen.

Paraguay muss sich nicht als Steuerparadies verkaufen

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Paraguay besitzt reale Standortvorteile.

  • Ein Territorialprinzip.
  • Im internationalen Vergleich moderate Sätze auf tatsächlich steuerpflichtige persönliche Einkünfte – der IRP für Rentas por Servicios Personales ist progressiv in Stufen von 8 %, 9 % und 10 % ausgestaltet.
  • Eine vergleichsweise schlanke Steuerstruktur.
  • Attraktive Rahmenbedingungen für bestimmte internationale Vermögens- und Unternehmenskonstellationen.
  • Und einen Staat, dessen steuerlicher Zugriff grundsätzlich anders strukturiert ist als die umfassende Welteinkommensbesteuerung vieler europäischer Länder.

Dafür braucht es keine Legende von „0 % auf alles aus dem Ausland“. Warum solche Prozentzahlen international ohnehin unterschiedliche Dinge beschreiben, zeigt der Beitrag 0 %, 1 % oder 5 %? Warum Steuersätze international fast nichts miteinander vergleichen.

Ein Standort besteht außerdem nicht nur aus Steuern

Paraguay ist auch deshalb interessant, weil eine internationale Struktur hier nicht zwangsläufig nur auf dem Papier existieren muss. Man kann tatsächlich in Paraguay leben. Unternehmen aufbauen. Immobilien erwerben. Mitarbeiter beschäftigen. Familie und Lebensmittelpunkt hierher verlagern. Und gleichzeitig internationale wirtschaftliche Beziehungen unterhalten. Wie sich das Land wirtschaftlich derzeit entwickelt, zeigt der Beitrag Paraguay wird entdeckt: Anatomie eines Landes im Aufschwung.

Das unterscheidet einen tatsächlichen Standort von einer bloßen Briefkastenadresse. Die migrations- und standortspezifischen Rahmenbedingungen Paraguays behandeln wir vertiefend bei strategy P.

Wer Paraguay nur als Steuersparmodell betrachtet, unterschätzt das Land

Für manche Menschen wird Paraguay steuerlich hervorragend passen. Für andere weniger. Ein Freelancer, dessen gesamtes Einkommen aus seiner täglichen persönlichen Arbeit in Paraguay entsteht, sollte andere Erwartungen haben als ein Investor mit internationalem Vermögen.

Ein Unternehmer mit einer tatsächlich operativen Auslandsstruktur befindet sich wiederum in einer anderen Situation. Und jemand, der in Paraguay ein reales Unternehmen aufbaut, benötigt erneut eine andere Struktur. Genau deshalb ist die pauschale Frage „Wie viel Steuer zahlt man in Paraguay?“ kaum sinnvoll zu beantworten.

Die bessere Frage lautet: Was entsteht wo?

Das ist die Logik des Territorialprinzips. Nicht: Woher kommt die Überweisung? Nicht: Welche Flagge steht auf der Rechnung? Nicht: Wo wurde die Gesellschaft registriert? Sondern:

  • Welche Einkunft liegt vor?
  • Wer hat sie erzielt?
  • Welche Tätigkeit liegt ihr zugrunde?
  • Und wo ist diese Tätigkeit oder Wertschöpfung steuerlich zu verorten?

Erst danach lässt sich beurteilen, ob Paraguay überhaupt ein Besteuerungsrecht besitzt.

Für wen Paraguay besonders interessant sein kann

Das Territorialprinzip kann insbesondere für Menschen interessant sein, deren wirtschaftliche Situation tatsächlich international diversifiziert ist.

  • Vermögenswerte in mehreren Staaten.
  • Tatsächlich ausländische Kapitalerträge.
  • Beteiligungen an operativen ausländischen Unternehmen.
  • Internationale Unternehmensstrukturen mit real verteilter Wertschöpfung.
  • Und gleichzeitig ein tatsächlicher Lebensmittelpunkt in Paraguay.

Je stärker wirtschaftliche Realität und rechtliche Struktur zusammenpassen, desto weniger muss eine Konstruktion von kreativen Etiketten leben.

Fazit: Paraguay braucht keine Steuer-Mythen

Paraguay ist steuerlich interessant genug, dass man darüber keine Märchen erzählen muss. Wer hier lebt und persönlich arbeitet, kann steuerpflichtiges paraguayisches Einkommen erzielen – auch wenn seine Kunden im Ausland sitzen, die Rechnungen ins Ausland gehen und das Geld auf einem ausländischen Konto eingeht.

Eine Dienstleistung kann umsatzsteuerlich außerhalb der paraguayischen IVA liegen und gleichzeitig einkommensteuerlich paraguayischer Quelle sein. Auch eine zwischengeschaltete Auslandsgesellschaft verwandelt eine tatsächlich in Paraguay erbrachte persönliche Leistung nicht allein durch eine andere Rechnungs- oder Zahlungsstruktur in ausländische Wertschöpfung.

Gleichzeitig bleibt eine US LLC oder eine andere ausländische Gesellschaft ein vollkommen legitimes und häufig sinnvolles Instrument einer internationalen Struktur – wenn sie eine tatsächliche Funktion innerhalb dieser Struktur erfüllt. Welche Fragen dabei zu klären sind, behandelt der Beitrag Die US LLC: Ein starkes Werkzeug – aber keine Steuerstrategie.

Und genau hier liegt die Stärke Paraguays. Nicht in einer magischen Null. Sondern in einem Territorialprinzip, das tatsächlich ausländische Einkünfte anders behandelt als Einkommen paraguayischer Quelle. Wer diesen Unterschied versteht, versteht auch, warum Paraguay ohne jede Übertreibung ein ausgesprochen interessanter Standort sein kann.

„Paraguay ist kein 0-%-Land. Paraguay ist ein Quellenstaat. Und das ist sehr viel interessanter.“

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Einordnung und stellt keine steuerliche oder rechtliche Beratung dar. Maßgeblich sind stets der Einzelfall, die jeweils geltenden paraguayischen Vorschriften sowie die Verwaltungspraxis der DNIT.

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