Wirtschaft & Standort

Paraguay wird entdeckt

Anatomie eines Landes im Aufschwung

Klaus J. P.-Kilfitt · 3. August 2026 · 11 Min. Lesezeit

Podium und Panel beim Paraguay Investment Forum in New York 2026 vor einer Leinwand mit dem Schriftzug „Paraguay Investment Forum · New York 2026“
Investment Forum · New York 2026

Paraguay gehörte jahrzehntelang zu jenen Ländern, die international übersehen wurden. Ein Binnenstaat im Herzen Südamerikas, eingeklemmt zwischen Brasilien, Argentinien und Bolivien, wirtschaftlich zu unbedeutend, um in internationalen Medien vorzukommen, und touristisch selbst vielen Südamerika-Reisenden kaum bekannt. Wer sich dennoch für das Land interessierte, tat dies häufig aus sehr speziellen Gründen: Landwirtschaft, Wasserkraft, niedrige Steuern, eine vergleichsweise unkomplizierte Residencia oder schlicht der Wunsch, möglichst weit weg zu sein.

Das ändert sich gerade. Nicht wegen einer einzelnen spektakulären Kennzahl, aus der sich mit etwas gutem Willen eine Erfolgsgeschichte konstruieren ließe, sondern weil inzwischen erstaunlich viele voneinander unabhängige Indikatoren gleichzeitig in dieselbe Richtung zeigen. Immer mehr Zuwanderer kommen, der Tourismus wächst, ausländisches Kapital fließt ins Land, die Wirtschaft expandiert, internationale Ratingagenturen haben Paraguay aufgewertet, der Stromverbrauch steigt erheblich und neue Verkehrsachsen verändern die wirtschaftliche Bedeutung seiner geografischen Lage. Selbst der Bauboom Asuncións, so auffällig er inzwischen geworden ist, ist dabei weniger Ursache als sichtbares Symptom einer größeren Entwicklung.

Man kann sich nun damit aufhalten, jede einzelne dieser Entwicklungen zu analysieren. Wirklich interessant wird es aber, sobald man einen Schritt zurücktritt und das Big Picture betrachtet. Denn dann sieht man nicht mehr nur einzelne aufsteigende Kurven, sondern eine gewaltige Transformation, welche ein wenig an das deutsche Wirtschaftswunder der 1960er-Jahre erinnert.

Ein Land bekommt Zulauf

2025 verzeichnete die paraguayische Einwanderungsbehörde einen historischen Rekord: 47.687 Anträge auf Aufenthaltserlaubnis gingen innerhalb eines Jahres ein, mehr als 63 Prozent mehr als 2024; gleichzeitig wurden 40.600 Aufenthaltsgenehmigungen erteilt. Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich die Entwicklung mit 33.243 neuen Anträgen fort. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum bedeutete das noch einmal einen Zuwachs von 62 Prozent.

Aus deutscher Perspektive ist eine andere Zahl fast interessanter. Im ersten Quartal 2026 lagen deutsche Staatsangehörige bei den tatsächlich erteilten Aufenthaltsgenehmigungen bereits auf Platz drei, hinter Brasilien und Argentinien, aber vor allen anderen Staaten außerhalb des Mercosur. Das alte Bild einer kleinen deutschen Auswanderer-Subkultur irgendwo zwischen Kolonie und Chaco beschreibt diese Entwicklung längst nicht mehr.

Parallel dazu erlebt Paraguay etwas, das vor wenigen Jahren kaum jemand mit dem Land verbunden hätte: einen Tourismusboom. Im ersten Quartal 2025 verzeichnete Paraguay nach den von UN Tourism veröffentlichten Daten mit 53 Prozent Zuwachs die höchste Wachstumsrate internationaler Touristenankünfte unter den ausgewiesenen Destinationen. Im ersten Quartal 2026 lag das Land mit weiteren 46 Prozent Wachstum erneut an der Spitze.

Solche Prozentzahlen benötigen allerdings einen Nenner. Paraguay ist nicht über Nacht zu Spanien geworden und empfängt weiterhin erheblich weniger internationale Besucher als etablierte Tourismusländer. Hohe Wachstumsraten entstehen leichter von einer niedrigen Ausgangsbasis. Bemerkenswert ist deshalb nicht, dass Paraguay plötzlich ein globaler Tourismusriese wäre. Bemerkenswert ist, dass ein Land, das im internationalen Tourismus über Jahrzehnte kaum vorkam, innerhalb kurzer Zeit erheblich an Aufmerksamkeit gewinnt.

Migration und Tourismus messen unterschiedliche Dinge. Zusammen zeigen sie dennoch etwas: Mehr Menschen beschäftigen sich mit Paraguay.

Kapital folgt Aufmerksamkeit

Dass Aufmerksamkeit allein noch keinen wirtschaftlichen Aufschwung ausmacht, versteht sich. Interessanter wird die Entwicklung dort, wo aus Interesse Kapital wird.

Die ausländischen Direktinvestitionen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Bereits für 2024 wies die paraguayische Zentralbank einen Nettozufluss von 931 Millionen US-Dollar aus, 15 Prozent mehr als im Vorjahr; der Bestand ausländischer Direktinvestitionen erreichte zum Jahresende rund 10,4 Milliarden Dollar. Für 2025 weisen die im ursprünglichen Beitrag verwendeten CEPAL-Daten nochmals höhere Nettozuflüsse aus. Entscheidend ist dabei nicht nur die Gesamtsumme, sondern die zunehmende Breite der Investitionsfelder.

Neben den traditionellen Sektoren Landwirtschaft, Fleischproduktion und Handel rücken Telekommunikation, digitale Infrastruktur, Rechenzentren, Lebensmittelverarbeitung und erneuerbare Energien stärker in den Blick. Dahinter steckt eine Besonderheit, die in einer zunehmend energiehungrigen Welt schwerer wiegt als noch vor zwanzig Jahren: Paraguay verfügt über strukturelle Ressourcen, die sich nicht beliebig kopieren lassen.

Auch die Realwirtschaft liefert dafür ein solides Fundament. Für 2025 ging die paraguayische Zentralbank zum damaligen Informationsstand von einem realen Wirtschaftswachstum von rund sechs Prozent aus; für 2026 wurden nach der im Juni angehobenen Prognose etwa 4,5 Prozent erwartet. Gleichzeitig blieb die öffentliche Verschuldung mit ungefähr 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – je nach verwendeter Abgrenzung – für lateinamerikanische Verhältnisse überschaubar.

Paraguay wächst damit nicht nur deshalb, weil der Staat eine Konjunktur auf Pump erzeugt.

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Dass diese Entwicklung inzwischen auch außerhalb des Landes wahrgenommen wird, zeigt sich an der Bonität. Moody’s hob Paraguay 2024 erstmals auf Investment Grade an, Standard & Poor’s folgte im Dezember 2025 mit BBB−; Fitch lag zum Veröffentlichungszeitpunkt noch eine Stufe darunter, allerdings mit positivem Ausblick. Für Paraguay ist das weit mehr als eine hübsche Plakette für Regierungspräsentationen. Investment Grade beeinflusst Finanzierungskosten, Anlagevorgaben institutioneller Investoren und letztlich die Frage, ob ein Land in bestimmten internationalen Portfolios überhaupt vorkommen darf.

Ein Standort, der lange als exotisch galt, wird damit schrittweise institutionell investierbar.

Eine stabile Währung

Zu diesem Bild gehört eine Währung, über die außerhalb Paraguays selten gesprochen wird. Der Guaraní wurde 1943 eingeführt und hat damit zahlreiche Währungsreformen seiner lateinamerikanischen Nachbarn überlebt. Während andere Staaten der Region Hyperinflation, Währungsschnitte oder wiederkehrende Abwertungszyklen erlebt haben, blieb die paraguayische Währung bemerkenswert beständig.

Im Jahr vor Veröffentlichung dieses Beitrags zeigte sich zeitweise sogar die umgekehrte Bewegung: Der Guaraní gewann gegenüber Dollar und Euro erheblich an Wert. Je nach Betrachtungsweise des Wechselkurses entsprach die Veränderung ungefähr 20 Prozent beziehungsweise, invers als Wertzuwachs des Guaraní gerechnet, rund einem Viertel.

Das ist für ausländische Investoren keineswegs nur angenehm. Wer bereits in Guaraní investiert war, konnte von einem zusätzlichen Wechselkurseffekt profitieren; wer erst mit Dollar oder Euro einsteigen wollte, musste für denselben in lokaler Währung bewerteten Vermögenswert entsprechend mehr aufbringen. Eine stärkere Währung ist kein kostenloses Geschenk. Sie ist aber ein weiteres Puzzleteil in einer makroökonomischen Entwicklung, die kaum zu dem alten Bild eines wirtschaftlich unbedeutenden südamerikanischen Binnenstaats passt.

Energie und Wasser

Paraguays vielleicht außergewöhnlichster struktureller Standortvorteil liegt in seiner Energieversorgung. Mit Itaipú und Yacyretá ist das Land an zwei der bedeutendsten Wasserkraftwerke der Region beteiligt. Über Jahrzehnte lag die Stromproduktion weit über dem eigenen Bedarf, weshalb große Energiemengen an Brasilien und Argentinien abgegeben wurden.

Nun beginnt Paraguay einen größeren Teil dieses Vorteils selbst zu verbrauchen. 2025 stieg der paraguayische Stromverbrauch nach den für diesen Beitrag ausgewerteten ANDE-Daten um 12,5 Prozent; in den ersten fünf Monaten 2026 lag er nochmals 19,4 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Energieintensive Industrie, Rechenzentren und digitale Infrastruktur treffen damit auf etwas, das andere Standorte teuer erzeugen oder importieren müssen: große Mengen erneuerbarer Wasserkraft zu international wettbewerbsfähigen Kosten.

Wer daraus nun ein Energieparadies ohne Einschränkungen konstruiert, übersieht allerdings den Unterschied zwischen Erzeugung und Verfügbarkeit. Viel Strom im Land bedeutet nicht, dass beliebige Leistung jederzeit an jedem gewünschten Ort aus der Steckdose kommt. Übertragungs- und Verteilnetze müssen mit einer Nachfrage Schritt halten, für deren Geschwindigkeit sie teilweise nicht gebaut wurden. Der Engpass Paraguays liegt deshalb langfristig womöglich weniger darin, genügend elektrische Energie zu erzeugen, als darin, sie zuverlässig dorthin zu bringen, wo neue wirtschaftliche Aktivität entsteht.

Ähnlich grundlegend ist eine zweite Ressource, die in klassischen Standortvergleichen erstaunlich selten vorkommt: Wasser. Paraguay verfügt über regelmäßige Niederschläge, große Flusssysteme und liegt direkt über einem Teil des Guaraní-Aquifer - einem der drei größen Süßwasserspeicher der Welt. Eine naturgegebene Ausgangslage, deren strategischer Wert in Zeiten global zunehmender Wasserknappheit gar nicht hoch genug geschätzt werden kann.

Infrastruktur kann der Mensch schaffen. Natürliche Ressourcen hingegen nicht. Länder, deren Wasserversorgung primär von großvolumigen und verletzlichen Entsalzungsanlagen abhängt, wie bspw. im Middle East, können ein Lied davon singen.

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Vom Binnenland zum Logistik-Hub zwischen den Ozeanen

Auch Paraguays geografische Lage ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die wirtschaftliche Bedeutung einer unveränderlichen Tatsache verändern kann. Das Land hat keinen Zugang zum Meer. Für den internationalen Handel war und ist das ein Nachteil, weil Waren zusätzliche Transportwege zurücklegen und Grenzen passieren müssen.

Mit dem Bioceanic Corridor entsteht jedoch eine Verkehrsachse, die Atlantik und Pazifik über Brasilien, Paraguay, Argentinien und Chile miteinander verbinden soll. Paraguay liegt dabei nicht irgendwo am Ende der Strecke, sondern in ihrer geografischen Mitte. Ein wesentlicher Baustein ist die neue internationale Verbindung zwischen Carmelo Peralta und Porto Murtinho; zugleich werden Straßenabschnitte durch den infrastrukturell bislang schwach erschlossenen Chaco ausgebaut.

Der Korridor schafft Paraguays Binnenlage nicht ab. Ein Land bekommt nicht plötzlich eine Küste, weil man eine Straße baut. Er kann aber verändern, was diese Lage wirtschaftlich bedeutet: Aus dem Binnenstaat, der zusätzliche Transportwege in Kauf nehmen muss, kann zugleich ein Transit-, Logistik- und Produktionsstandort zwischen zwei Ozeanen werden.

Geografische Mitte allein ist wertlos. Logistisch verbindende geografische Mitte kann zu einer sprudelnden Einnahmequelle werden.

Derzeit noch spekulativ ist, was unter einem bislang noch weitgehend unerschlossenen Teil des Landes liegen könnte. Im Gran Chaco laufen geophysikalische Untersuchungen nach Lithium und anderen begehrten Mineralien. Rund zwei Millionen Hektar werden derzeit von einem Unternehmenskonsortium untersucht; für Prospektion und Exploration wurden Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe angekündigt. Bestätigen sich die Erwartungen, entsteht ein zusätzlicher Standortfaktor von ganz erheblicher Bedeutung – zumal in einem bislang noch strukturschwachen Gebiet.

Wirtschaftliche Kontinuität in einem unperfekten Staat

Bei aller Begeisterung über Ressourcen und Wachstumszahlen wäre es vielleicht etwas voreilig, Paraguay zu einem institutionellen Musterland zu (v)erklären. Korruption, Schwächen staatlicher Institutionen, Defizite in Verwaltung und Rechtsdurchsetzung sowie regional konzentrierte organisierte Kriminalität gehören ebenso zur Realität. Wer in Paraguay lebt oder investiert, begegnet einem Staat, dessen Funktionsweise sich von Mitteleuropa teilweise erheblich unterscheidet.

Gerade deshalb ist eine andere Kontinuität bemerkenswert. Seit dem Ende der Stroessner-Diktatur und dem Übergang zur Demokratie Ende der 1980er Jahre hat Paraguay keine wirtschaftspolitischen Systembrüche erlebt, wie sie andere Länder Lateinamerikas wiederholt durchlaufen haben. Die wirtschaftspolitische Grundrichtung blieb über lange Zeit vergleichsweise markt- und investitionsfreundlich. Ausländische Investoren sind in wesentlichen Bereichen inländischen grundsätzlich gleichgestellt, Kapital- und Gewinntransfers sind möglich, ausländisches Unternehmenseigentum ist zulässig und auch Immobilien können – vorbehaltlich gesetzlicher Einschränkungen insbesondere in bestimmten Grenzzonen – grundsätzlich von Ausländern erworben werden.

Es wäre zu viel behauptet, aus dieser Kontinuität allein den gestiegenen Kapitalzufluss abzuleiten. Investitionsentscheidungen haben selten nur eine Ursache. Sie schafft jedoch einen Rahmen, in dem niedrige Eintrittsbarrieren, wettbewerbsfähige Kosten, natürliche Ressourcen und neue Infrastruktur wirtschaftlich überhaupt ihre Wirkung entfalten können.

Zur Standortattraktivität gehört selbstverständlich auch das Steuersystem. Niedrige nominale Sätze, Territorialitätsprinzip und besondere Investitionsregime sind relevante Faktoren. Sie erklären Paraguay aber nicht vollständig, und gerade deshalb wird dem Land mit der beliebten Vermarktung als angeblichem „Null-Steuerland“ ein Bärendienst erwiesen. Paraguay ist kein steuerfreies Land. Wer von hier aus arbeitet, kann der paraguayischen Einkommensteuer unterliegen; ein operativ im Land tätiges Unternehmen entsprechend der Körperschaftsteuer – selbst wenn die Kunden im Ausland sitzen oder eine ausländische Gesellschaft Teil der Struktur ist. Die steuerlichen Details haben wir an anderer Stelle ausführlich behandelt.

Paraguay ist als Standort interessant genug. Man muss es nicht durch ein halbseidenes "Nullsteuer"-Märchen künstlich interessanter machen.

Die sichtbaren Spuren des Wachstums

Am sichtbarsten wird die wirtschaftliche Bewegung derzeit in Asunción. Wer die Hauptstadt vor zehn oder fünfzehn Jahren kannte, erkennt manche Viertel heute kaum wieder. Wohnhochhäuser, Büros, Hotels und Mixed-Use-Projekte verändern insbesondere die östlichen Wachstumsachsen; Projekte wie das Sudameris Plaza, Paseo 55 oder Petra Imperiale erreichen Dimensionen, die noch vor wenigen Jahren für Asunción undenkbar gewesen wären.

Wie weit dieser Hochhaus- und Bauboom inzwischen reicht, haben wir gesondert beschrieben.

Der beeindruckende Bauboom ist weder der Beweis noch die Ursache für Paraguays Aufschwung. Er ist aber die sichtbare Spur von Kapital, Nachfrage und Erwartungen, die inzwischen groß genug geworden sind, um sich in Beton und Glas zu manifestieren.

Diese Entwicklung hat ihren Preis. Straßen und öffentlicher Verkehr halten mit dem Wachstum nicht überall Schritt; Strom- und Wassernetze benötigen Investitionen, Grundstücks- und Immobilienpreise steigen, Verwaltung und Justiz erreichen nicht überall die Effizienz, die internationale Unternehmer erwarten, und die Binnenlage verursacht trotz neuer Korridore weiterhin reale Logistikkosten. Schnelles Wachstum kann vorhandene Schwächen sogar sichtbarer machen, weil Infrastruktur, die für einen gemächlicheren Entwicklungspfad ausgereicht hätte, plötzlich an ihre Grenzen gerät.

Das ist kein Gegenargument zum Aufschwung. Es gehört zu seiner Anatomie.

Ein etablierter Standort verkauft, was bereits vorhanden ist. Ein Entwicklungsstandort verlangt die Entscheidung, ob das, was gerade entsteht, den Preis und das Risiko wert ist.

Paraguay wird entdeckt

Vielleicht ist genau das die interessantere Geschichte Paraguays im Jahr 2026. Nicht, dass plötzlich alles funktioniert. Nicht, dass jede Investition rentabel oder jede politische Entscheidung vernünftig wäre. Entscheidend ist vielmehr, dass ein Land, das international jahrzehntelang weitgehend übersehen wurde, mehrere seiner vorhandenen Standortfaktoren gleichzeitig wirtschaftlich zu aktivieren beginnt.

Die Wasserkraft gibt es bereits seit der Diktatur in den 80ern, die Flüsse schon seit Jahrhunderten. Und Paraguay lag auch vor zwanzig Jahren bereits zwischen den großen Volkswirtschaften Brasilien und Argentinien, verfügte über landwirtschaftliche Flächen, eine vergleichsweise beständige Währung und eine wirtschaftspolitische Grundrichtung, die privatem und ausländischem Kapital relativ viel Raum ließ. Neu ist nicht die Existenz all dieser Faktoren. Neu ist die Geschwindigkeit, mit der sie auf Migration, internationales Kapital, Infrastrukturinvestitionen und eine wachsende weltweite Aufmerksamkeit treffen.

Keine einzelne Kurve beweist für sich genommen einen dauerhaften wirtschaftlichen Aufstieg. Paraguay wird Konjunkturzyklen erleben. Projekte werden scheitern, Preise können überhitzen und die Regierung wird auch in Zukunft noch Entscheidungen treffen, bei denen man sich fragt, ob sie auf Dummheit basieren oder wer aus dem Apparat mal wieder die Hand aufgehalten hat.

Aber wenn viele voneinander unabhängige Entwicklungen zur selben Zeit in dieselbe Richtung weisen, wäre es ebenso töricht, die sich daraus ergebende Synergie zu ignorieren.

Wer Paraguay ausschließlich wegen niedriger Steuern betrachtet, sieht deshalb nur einen Ausschnitt. Wer das Land noch immer für einen verschlafenen Binnenstaat irgendwo zwischen Brasilien und Argentinien hält, hat wohl selbst die letzten 10 Jahre verschlafen.

Paraguay ist nicht fertig, sondern ein Rohdiamant. Das ist kein Mangel, den man in einer Standortanalyse verschweigen müsste, sondern ein wesentlicher Faktor der sich daraus ergebenden Entwicklungschancen. In einem vollständig entwickelten Markt bezahlt man gewöhnlich für das, was andere zuvor entdeckt haben.

In Paraguay kann man derzeit noch beobachten, wie etwas entsteht. Und daran teilhaben.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und gibt den Stand vom 3. August 2026 wieder. Er stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall dar. Angaben zu Wirtschafts-, Migrations- und Energiedaten beruhen auf den jeweils veröffentlichten Angaben der genannten Institutionen und können sich fortlaufend ändern.

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