Wirtschaft & Standort
Asunción – Die unterschätzte Metropole
Urbanisation im Zeitraffer: Wie sich Paraguays Hauptstadt innerhalb weniger Jahre neu erfindet
Klaus J. P.-Kilfitt · 7. September 2026 · 12 Min. Lesezeit
Wer heute durch Paraguays Hauptstadt Asunción fährt, erlebt eine von Aufbruch und Wandel geprägte Stadt. Um zu erkennen, wie fundamental sich das Stadtbild verändert, bedarf es keiner visionären Begabung – es reicht völlig, den Blick gelegentlich nach oben zu richten.

Baukräne gehören inzwischen fast selbstverständlich zum Stadtbild – ebenso wie die Schlaglöcher, die einen zuverlässig daran erinnern, dass zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und kommunaler Wirklichkeit mitunter noch ein gewisser zeitlicher Versatz besteht.
Das Neue daran ist weniger, dass gebaut wird. Gebaut wurde in Asunción immer. Neu ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Stadt dabei in eine Richtung entwickelt, die ihr über Jahrzehnte weitgehend fremd war: nach oben.
Bis Ende 2025 finden sich in Asunción nach unserer Recherche insgesamt 31 Gebäude der Kategorie, die wir – bewusst nicht mit dem Zollstock in der Hand – als "historische Wolkenkratzer" (ab 100 Meter) einordnen können. Darunter fallen auch einzelne Grenzfälle knapp unterhalb dieser Marke, sofern sie städtebaulich derselben Liga angehören und das Stadtbild maßgeblich prägen bzw. zu ihrer Zeit prägten.
Der erste dieser historischen Giganten, das legendäre Edificio Aurora, welches 15 Jahre lang den Rekord als höchstes Gebäude Paraguays hielt, stammt aus dem Jahr 1978.
Fast ebenso viele Gebäude dieser Kategorie – nämlich 27 (Stand 1. August 2026) – konnten wir allein für die kommenden fünf Jahre ermitteln. Genehmigte Projekte, welche die vorgenannten Kriterien (100 Meter und höher) erfüllen, sich bereits im Bau, bzw. in der Vermarktung befinden und bis 2030/31 fertiggestellt werden.
In den kommenden fünf Jahren entstehen in Asunción also so viele Wolkenkratzer wie zuvor in einem halben Jahrhundert.
Vom Solitär zur Skyline
Dabei begann die Geschichte ausgesprochen übersichtlich.
Als Mitte der 70er Jahre das 27-geschossige Aurora I mit knapp 96 Metern fertiggestellt wurde, war es kein Bestandteil einer Skyline. Es war die Skyline. Ein vertikaler Solitär in einer Stadt, deren Bebauung ansonsten weitgehend horizontal verlief.
Erst 1993 folgte der 107 Meter hohe Torre Wilson mit 31 Geschossen. Wieder ein Ausrufezeichen, aber noch keine Entwicklungslinie. Zwei Wolkenkratzer innerhalb von 15 Jahren – das kann man wohl kaum als Trend bezeichnen. Zumal in einer Zeit, in welcher allein in New York City im gleichen Zeitraum etwa 150 Skyscraper aus dem Boden gestampft wurden.
Erst gut zwei weitere Jahrzehnte später begann sich das Bild grundlegend zu verändern. Mit dem rund 140 Meter hohen Ícono erhielt Asunción 2014 eine neue Landmarke.
Gleichzeitig verlagerte sich das wirtschaftliche Gravitationszentrum der Hauptstadt zunehmend aus dem historischen Zentrum heraus nach Osten: zunächst nach Villa Morra und Recoleta rund um das neue Shopping Mariscal, später dann weiter nach Manora, Ycuá Satí und Carmelitas rund um das Shopping del Sol.
Aus architektonischen Solitären entwickelte sich langsam aber unaufhaltsam eine neue urbane Struktur – die Skyline einer modernen Metropole.
Wie schnell eine solche Entwicklung das Gesicht einer Stadt verändern kann, zeigt kaum ein Ort besser als das Umfeld des Shopping del Sol: Zwischen diesen beiden Aufnahmen liegen gerade einmal 16 Jahre.
2009
2025
2025 erreichte die vertikale Entwicklung mit dem 172 Meter hohen Petra Tower ihren vorläufigen Höhepunkt.
Und die Betonung liegt auf "vorläufig"!
Denn was derzeit geplant und gebaut wird, übertrifft die bisherige Entwicklung bei Weitem:
Paseo 55 soll 212 Meter erreichen, der Petra Imperiale mit 73 Ebenen sogar 250 Meter. Daneben entstehen skulpturale Ensemble, wie das Palmanova Center mit seinen vier avantgardistischen Türmen (Gold Winner bei den International Architecture & Design Awards) und das von dem legendären britischen Architekturbüro Foster + Partners geplante, futuristische Sudameris Plaza, der Petra Icon Tower und das Link Center, Aether by CIVIS, ACRO Home und eine ganze Reihe weiterer Megaprojekte, die vor zwanzig Jahren in Asunción nicht nur außergewöhnlich, sondern schlicht undenkbar gewesen wären.
Und selbst diese Liste zeigt lediglich die obersten hundert Meter eines sehr viel breiteren Baubooms.
Bereits im September 2024 berichtete die Stadtverwaltung von mehr als 288 genehmigten Bauprojekten – ausdrücklich nicht 288 Wolkenkratzern, sondern Vorhaben unterschiedlichster Größenordnung, von denen sich ein Teil bereits im Bau befand. Auch 2026 berichtete die Municipalidad weiterhin von hoher Bautätigkeit, zahlreichen genehmigten oder im Genehmigungsverfahren befindlichen Projekten und erheblich gesteigerten Einnahmen aus dem Bausektor.
Besonders sichtbar wird die Entwicklung entlang der großen Korridore Santa Teresa, Aviadores del Chaco, San Martín und Molas López. Gleichzeitig entstehen neue Entwicklungspole – etwa das Distrito Perseverancia, wo im bislang eher beschaulichen Barrio Jara auf mehreren Hektar Industriebrache praktisch ein neues Stadtquartier aus dem Boden wächst, dessen Dimension, Architektur und Niveau eher an Dubai erinnern, als an das Wohnviertel eines Schwellenlandes.
Die Hochhäuser unserer Liste sind also nicht der Bauboom.
Sie sind dessen Ausrufezeichen.
Ganz nett für Lateinamerika - aber spektakulär?
Um das zu beurteilen, bietet sich ein Perspektivwechsel an.
Denn rund 60 Gebäude der 100-Meter-Klasse in einer südamerikanischen Metropole mögen aus europäischer Sicht zunächst wenig spektakulär klingen. Asunción ist schließlich nicht New York, London oder Dubai. Paraguay gilt noch immer als Schwellenland, und wer zum ersten Mal aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz hierherkommt, erwartet vermutlich einiges – eine Skyline, die sich mit europäischen Großstädten messen kann, aber wohl eher nicht.
Also legen wir einmal die Messlatte an.
Und zwar die gleiche, die wir auch für Asunción verwendet haben. Nicht die akademische Frage, ob ein Gebäude 98,57 oder 100,01 Meter misst, interessiert hier, sondern die städtebauliche 100-Meter-Klasse. Historische Landmarken werden ebenfalls berücksichtigt. Wenn ein Kirchturm seit Jahrhunderten hundert Meter in den Himmel ragt, verschwindet er schließlich nicht deshalb aus der Stadtsilhouette, weil er keine Rooftop-Bar vorzuweisen hat.
München kommt nach diesem Maßstab auf sieben Bauwerke. Das niedrigste davon ist mit 98,57 Metern ausgerechnet die Frauenkirche, welche nach dem Willen ihres Auftraggebers, Herzog Sigismund von Bayern, 100 Meter in den bayerischen Himmel aufragen sollte. Aber so genau waren die damaligen Messmethoden halt noch nicht und der gute Wille zählt.
Berlin kommt auf insgesamt neun Bauwerke dieser Kategorie.
Hamburg auf zehn – wobei die Zahl bei näherer Betrachtung ihren eigenen Charme entwickelt. Einen erheblichen Teil dieser Höhenklasse stellen dort nämlich keine gläsernen Bürotürme, sondern Nikolaikirche, St. Petri, Michel, St. Jacobi, St. Katharinen und das Hamburger Rathaus.
Köln kommt ebenfalls auf zehn. Ganz oben steht dort bis heute mit 157 Metern nicht irgendein seelenloser Corporate Tower, sondern der Kölner Dom.
Und die gesamte Schweiz?
Sechs.
Nicht Zürich; nicht Basel; nicht Genf – die Schweiz.
Und wie sieht es im benachbarten Österreich aus?
Immerhin handelt es sich bei Wien um eine international bedeutende Metropole: knapp zwei Millionen Einwohner, Sitz zahlreicher internationaler Organisationen und – neben New York, Genf und Nairobi – einer von weltweit nur vier Amtssitzen der Vereinten Nationen. Allein im Vienna International Centre arbeiten rund 5.000 Menschen aus mehr als 125 Ländern. Die sogenannte UNO-City gehört mit ihren bis zu 120 Meter hohen Bürotürmen selbst zur Skyline.
Wien kommt auf rund 26 Bauwerke unserer 100-Meter-Klasse.
Asunción hatte Ende 2025 bereits 31.
Bleibt noch der europäische Joker Frankfurt. Zwar keine Millionen-Metropole, aber berühmt für seine Skyline. Mainhattan.
Moment mal: Mehr Hochhäuser als Frankfurt?
Commerzbank Tower, Messeturm, Main Tower, Tower 185, Omniturm, FOUR – die Frankfurter Skyline ist in Deutschland konkurrenzlos. Wer aus dem deutschsprachigen Raum kommt und „Wolkenkratzer“ hört, denkt an Frankfurt.
In unserer 100-Meter-Klasse kommt Frankfurt auf rund 45 Gebäude.
Asunción wird um 2030/31 bei rund 60 liegen. Mindestens; denn fast wöchentlich kommen weitere Projekte hinzu.
Nein, Asunción wird deshalb nicht Frankfurt. Und Frankfurt wird deswegen auch nicht plötzlich zum verschlafenen Provinznest am Main. (Wobei böse Zungen behaupten, genau das sei es schon immer gewesen.) Städte lassen sich weder anhand einer einzigen Kennzahl bewerten, noch wird wirtschaftliche Bedeutung in Metern gemessen.
Darum geht es nicht.
Es geht um Wahrnehmung.
Wer bei „rund 60 Hochhäusern in Paraguay“ spontan milde lächelt, bei „Frankfurter Skyline“ dagegen an eine pulsierende europäische Metropole denkt, hat möglicherweise gerade weniger über Architektur gelernt als über die eigenen Vorstellungen davon, wie eine Hauptstadt in einem sogenannten Schwellenland auszusehen hat.
Zum Vergleich nach oben reicht ein kurzer Blick über den deutschsprachigen Tellerrand: Los Angeles kommt auf knapp 90 Gebäude dieser Größenordnung, London auf deutlich mehr als 130. Und New York City ist und bleibt the Big Apple.
Der entscheidende Punkt ist ohnehin ein anderer:
Asunción ist aktuell noch nicht ganz in dieser Liga angekommen. Aber bewegt sich in Sieben-Meilen-Stiefeln dorthin.
Die interessante Zahl ist nicht 58
Eine Stadt, die über Jahrzehnte 31 Hochhäuser dieser Größenklasse hervorgebracht hat und innerhalb weniger Jahre weitere 27 plant und baut, verändert nicht lediglich ihre Silhouette. Mit den Gebäuden verändern sich Grundstückspreise, Wohnformen, Bevölkerungsstruktur, Verkehrsströme und schließlich die Geografie der Stadt selbst.
In Asunción lässt sich der nächste Schritt bereits beobachten. Während sich die vergangenen Entwicklungsschübe vor allem im Osten der Hauptstadt abspielten, entstehen inzwischen neue urbane Pole an Stellen, die bislang kaum jemand mit dem zukünftigen Zentrum der Metropole verbunden hätte. Das bereits erwähnte Distrito Perseverancia ist dafür ein gutes Beispiel.
Solche Projekte verändern nicht nur einzelne Grundstücke oder Straßenzüge. Sie verändern die Frage, wo die Stadt von morgen eigentlich stattfindet.
Und deshalb ist die interessanteste Zahl dieses Artikels nicht 58.
Die wirklich interessante Zahl ist fünf.
Fünf Jahre, in denen annähernd so viel vertikale Stadt entstehen könnte, wie in den fünf Jahrzehnten zuvor.
Wer damals gerne dabei gewesen wäre
Natürlich drängt sich bei einer solchen Entwicklung ein Vergleich mit Immobilienmärkten auf, die diesen Prozess bereits hinter sich haben.
Dubai und Panama City sind zwei naheliegende Beispiele dafür – nicht weil Asunción das nächste Dubai wird, sondern weil diese beiden international stark beachteten Märkte bereits einen Reifegrad erreicht haben, von dem Paraguays Hauptstadt noch weit entfernt ist.
Wer sich beim Blick auf Dubai oder Panama City schon einmal bei dem Gedanken ertappt hat, dort gerne zwanzig oder dreißig Jahre früher investiert zu haben, dürfte deshalb zumindest verstehen, warum ein junger Markt wie Asunción derzeit Aufmerksamkeit verdient.
Nicht weil Geschichte sich wie nach Drehbuch wiederholt.
Auch nicht weil jeder Neubau automatisch eine gute Investition wäre.
Sondern weil Märkte ihre interessantesten Phasen häufig durchlaufen, bevor jeder weiß, dass sie interessant sind.
Bei einem etablierten Markt bezahlt der Investor schließlich nicht nur für ein Gebäude. Er bezahlt auch für einen Teil der Gewissheit, die der Markt inzwischen geschaffen hat. In einem jungen Markt fehlt ein Teil dieser Gewissheit – und genau darin liegen sowohl seine Risiken als auch seine Chancen.
Asunción befindet sich derzeit ziemlich sichtbar auf genau dieser Schwelle.
Eine Skyline braucht eine Stadt darunter
Allerdings kann man eine Metropole nicht beliebig mit Hochhäusern vollstellen und anschließend hoffen, dass der Rest schon irgendwie funktionieren wird.
Menschen müssen zur Arbeit, Kinder zur Schule, Bewohner nach Hause; neue Wohn- und Büroquartiere erzeugen Verkehrsströme, und wer Asunción zur Hauptverkehrszeit kennt, wird die These, das bestehende Straßensystem verfüge über erhebliche ungenutzte Kapazitätsreserven, nur mit einer gewissen intellektuellen Anstrengung vertreten können.
Interessant ist deshalb, dass parallel zum privaten Bauboom inzwischen auch Infrastrukturprojekte konkret werden, die auf das Wachstum der Metropolregion Asunción reagieren.
Das vielleicht symbolträchtigste davon ist ausgerechnet etwas, das die Stadt schon einmal hatte:
die Eisenbahn.
Und zwar nicht irgendeine.
Paraguay gehörte Mitte des 19. Jahrhunderts zu den ersten Ländern Südamerikas, die eine Eisenbahn bauten. Unter Carlos Antonio López entstand der Ferrocarril, der zu einem Symbol jener frühen Modernisierungsphase des Landes wurde. Bereits am 25. Dezember 1861 wurde die Strecke von Ybyray, dem heutigen Trinidad, nach Luque eröffnet; die repräsentative Estación Central in Asunción folgte als eines der bedeutenden Bauwerke dieser Epoche.
Mehr als 160 Jahre später soll ausgerechnet dieser historische Korridor wieder Teil der Modernisierung Paraguays werden.
Die erste Phase des neuen elektrischen Tren de Cercanías soll von der historischen Estación Central in Asunción bis Luque führen – weitgehend auf dem Korridor und unter Nutzung der Flächen und Stationen des alten Ferrocarril Carlos Antonio López. Eine spätere Verlängerung bis Ypacaraí soll die Strecke auf insgesamt rund 44 Kilometer erweitern.
Das Projekt wird gemeinsam von der staatlichen paraguayischen Bahngesellschaft FEPASA und Etihad Rail, der staatlichen Eisenbahngesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, realisiert. Der erste Streckenabschnitt wird insgesamt mit rund 400 Millionen US-Dollar veranschlagt, und nach aktueller Planung sollen bereits im April 2027 die Bauarbeiten beginnen.
Das Interessante daran ist nicht nur, dass Asunción wieder einen Zug bekommt. Das Verkehrsprojekt soll ausdrücklich auch als neue Entwicklungsachse für den metropolitanen Raum dienen, Investitionen anziehen und die weitere urbane Entwicklung ordnen.
Eine Bahntrasse, die vor mehr als 160 Jahren einmal Modernisierung bedeutete, soll also erneut Modernisierung ermöglichen.
Manchmal wiederholt sich Geschichte eben vielleicht doch – oder reimt sich zumindest.
Zwischen Baukran und Schlagloch
All das macht Asunción noch nicht zu einer perfekt funktionierenden modernen Metropole.
Wer das behauptet, war vermutlich noch nie hier – oder wurde direkt vom Flughafen in eine Musterwohnung an der Avenida Santa Teresa gefahren und anschließend wieder zurück.
Die Stadt besitzt offensichtliche Defizite. Öffentlicher Verkehr, Straßen, Gehwege, Abwasser und Stadtplanung halten mit der Geschwindigkeit privater Investitionen nicht überall Schritt. Gerade der Kontrast zwischen einem hochmodernen Neubau und seiner unmittelbaren Umgebung kann erheblich sein.
Man sollte diesen Zustand allerdings nicht einfach vorschnell auf die erwartete Rückständigkeit eines Schwellenlandes zurückführen.
Im April 2024 setzte ein außergewöhnliches Starkregenereignis selbst die Multimilliardenmetropole Dubai teilweise unter Wasser. Autobahnen wurden überflutet, der Flughafenbetrieb massiv beeinträchtigt, Wohnanlagen und Parkhäuser liefen voll; die später geschätzten versicherten Schäden lagen insgesamt in einer Größenordnung von mehreren Milliarden Dollar.
Auch sehr viel Geld hebt die Naturgesetze eben nicht vollständig auf und Infrastruktur wächst oft selbst dort, wo Geld vermeintlich keine Rolle spielt, deutlich langsamer als die Stadt, die sie tragen soll.
Der Unterschied besteht eher darin, dass Asunción seine Widersprüche noch weitgehend unverhüllt zeigt. Wolkenkratzer und Schlaglöcher, Luxusapartments und freischwingende Stromleitungen, preisgekrönte Architektur und ein Gehweg, der unvermittelt im Nirgendwo einfach endet.
Das kann man als Defizit betrachten. Es ist auch eines.
Aber es erzählt gleichzeitig etwas über die Phase, in der sich die Stadt befindet.
Eine gereifte Stadt präsentiert dem Besucher überwiegend das Ergebnis ihrer Entwicklung.
In Asunción kann man den Prozess noch beobachten.
Man sieht Schrottplätze, auf denen morgen gebaut wird; ganze Stadtviertel, deren Funktion und Bedeutung sich verschiebt; neue Zentren, die noch vor wenigen Jahren niemand als solche bezeichnet hätte; eine Eisenbahntrasse aus dem 19. Jahrhundert, die plötzlich wieder Teil der Zukunftsplanung wird.
Und eine Skyline, deren höchste Gebäude zum Teil noch gar nicht existieren.
Ende 2025 zählten wir rund 30 Wolkenkratzer. Bis 2030 wird sich diese Zahl in etwa verdoppelt haben.
Ob jeder einzelne dieser Megabauten tatsächlich pünktlich fertiggestellt wird, wissen wir nicht. "Tranquilo" hat in diesem Land eine zentrale Bedeutung; Projektentwicklungen verzögern sich, Märkte verändern sich – und gleichzeitig werden in Asunción nahezu wöchentlich neue, teils spektakuläre Projekte vorgestellt.
Die 27 Aspiranten der künftigen Skyline sind deshalb weniger eine Prognose dessen, was bis 2030/31 insgesamt entstehen wird, als eine Momentaufnahme dessen, was wir davon heute bereits kennen.
Asunción hat fast ein halbes Jahrhundert gebraucht, um seine heutige Skyline zu bauen.
Nun beginnt die Stadt, dasselbe noch einmal zu tun. In nur fünf Jahren.
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