Economía y jurisdicciones
Auswandern für die Freiheit – und dann nach Kalifornien?
Warum die Wahl des US-Bundesstaates weit mehr als eine Steuerfrage ist – und weshalb Florida und Texas für freiheitsorientierte Auswanderer die konsequentere Wahl sein können
Klaus J. P.-Kilfitt · 24. August 2026 · 12 min de lectura
Wer aus Deutschland oder der Europäischen Union auswandert, weil ihm Regulierung, staatliche Bevormundung und der wachsende politische Anspruch auf Bereiche seines Lebens zu weit gehen, sollte auch die Wahl seines neuen Lebensmittelpunktes nach denselben Kriterien bewerten.
Ein Umzug nach Kalifornien oder New York mag aus einigen Gründen verlockend erscheinen – politisch bedeutet er mitunter denselben Staatsanspruch, dem man eigentlich entkommen wollte.
Dieser Artikel vergleicht die US-Bundesstaaten aus einer freiheitlichen Perspektive: Was kostet mehr Regulierung im Alltag? Wie spürt man staatlichen Gestaltungswillen konkret? Und warum können Florida und Texas – trotz aller Einschränkungen – für freiheitsorientierte Auswanderer die konsequentere Wahl sein?
Wer Deutschland oder die Europäische Union verlässt, weil ihm die Steuern zu hoch sind, kann Tabellen vergleichen.
Einkommensteuer. Vermögensteuer. Erbschaftsteuer. Kapitalertragsteuer.
Das ist vergleichsweise einfach.
Schwieriger wird die Standortwahl für Menschen, die aus einem anderen Grund gehen: weil sie das Gefühl haben, dass der Staat immer tiefer in Bereiche seines Lebens eingreift, die ihn eigentlich nichts angehen.
Wie sie sprechen. Wie sie heizen. Was sie fahren. Wie sie bauen. Was ihre Kinder in der Schule lernen. Welche Meinung gesellschaftlich erwünscht ist. Welche Äußerung noch als hinnehmbar gilt. Welche wirtschaftliche Entscheidung durch die nächste Regulierung eingeschränkt wird.
Wer deshalb auswandert, sucht nicht einfach einen niedrigeren Steuersatz. Er sucht mehr Freiheit.
Und wer dafür ausgerechnet in die Vereinigten Staaten zieht, sollte einen Fehler vermeiden:
Amerika als einen einzigen Standort zu betrachten.
Denn es wäre eine bemerkenswerte Form der Auswanderung, Europa wegen zunehmender Regulierung, politischer Bevormundung und gesellschaftlicher Umerziehung zu verlassen – nur um am neuen Lebensmittelpunkt festzustellen, dass man sich den Umzug hätte sparen können.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Freiheit ist weder rechts noch links und hat auch keine Parteifarbe. Und so ist dieser Artikel auch kein Plädoyer für eine bestimmte Partei.
Der autoritäre Staat wird nicht dadurch freiheitlicher, indem er statt einer Regenbogenflagge eine Nationalflagge vor das Regierungsgebäude hängt.
Auch konservative Regierungen können regulieren, verbieten, überwachen und sich in das Privatleben ihrer Bürger einmischen. Die politische Rechte besitzt historisch wahrlich kein Monopol auf Freiheit – der sprichwörtliche preußische Obrigkeitsstaat steht geradezu sinnbildlich dafür.
Auf der Gegenseite steht ein sozialistisches Staatsverständnis, das immer größere Teile wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entscheidungen kollektivieren möchte, dem individuellen Freiheitsanspruch zwangsläufig diametral entgegen.
Die entscheidende Frage ist im Grunde denkbar einfach:
„Wie viel Entscheidung überlässt ein Staat dem Einzelnen – und wie viel Entscheidung beansprucht er für sich selbst?“
Daher kommt aus freiheitlicher Perspektive dieser Vergleich der amerikanischen Bundesstaaten folgerichtig auch zu keinem simplen Links-Rechts-Ergebnis.
Der Cato-Index Freedom in the 50 States untersucht mehr als 230 politische Variablen aus wirtschaftlicher und persönlicher Freiheit. Florida liegt in der aktuellen Ausgabe auf Platz zwei der Gesamtwertung. New York landet zum wiederholten Mal auf dem letzten Platz. Kalifornien befindet sich ebenfalls am unteren Ende. Gleichzeitig zeigt der Index, dass wirtschaftliche und persönliche Freiheit keineswegs automatisch miteinander einhergehen.
Texas ist dafür ein gutes Beispiel.
Dazu später mehr.
Amerika sind 50 politische Experimente
Im vorhergehenden Beitrag über die USA als Lebensmittelpunkt haben wir bereits darauf hingewiesen, dass die Vereinigten Staaten steuerlich eigentlich keine einzelne Standortentscheidung darstellen.
Dasselbe gilt gesellschaftspolitisch.
Das First Amendment gilt in Kalifornien ebenso wie in Florida. Und das amerikanische Verfassungsverständnis von Meinungsfreiheit unterscheidet sich fundamental vom europäischen Modell.
Wer von Deutschland nach Kalifornien zieht, zieht deshalb nicht nach „Deutschland mit Palmen“.
Aber innerhalb dieses gemeinsamen verfassungsrechtlichen Rahmens haben sich die Bundesstaaten in bemerkenswert unterschiedliche Richtungen entwickelt.
Steuern, Unternehmensregulierung, Baurecht, Eigentumsrechte, Schulpolitik, Waffenrecht, Drogenpolitik, Occupational Licensing und zahlreiche weitere Bereiche werden maßgeblich auf Ebene der Bundesstaaten entschieden.
Der Föderalismus macht Amerika damit zu etwas, das Europa zunehmend verloren geht:
zu einem Wettbewerb unterschiedlicher politischer Modelle.
Dasselbe gilt für die Wahl des Sitzes einer US-LLC.
Und Menschen können mit den Füßen darüber abstimmen.
Kalifornien: Wie viel Regulierung verträgt ein Traum?
Kaum ein Staat eignet sich besser für diese Betrachtung als Kalifornien.
Denn kaum ein anderer Standort besitzt bessere Voraussetzungen.
Sonne. Beach. Hollywood. Silicon Valley. Venture Capital. Technologie. Landwirtschaft. Entertainment. Einige der wertvollsten Unternehmen der Welt.
Millionen Menschen träumten über Generationen davon, dort zu leben.
Kalifornien war nicht nur ein Bundesstaat.
Es war ein Versprechen.
Gerade deshalb ist bemerkenswert, was in den vergangenen Jahren dort schleichend geschehen ist.
Zwischen 2010 und 2024 zogen nach Auswertung des Public Policy Institute of California fast zehn Millionen Menschen von Kalifornien in andere US-Bundesstaaten. Im selben Zeitraum kamen nur etwas mehr als sieben Millionen Menschen aus anderen Bundesstaaten nach Kalifornien.
Kalifornien verliert nach Angaben des PPIC bereits seit 2001 jedes Jahr netto Einwohner an andere US-Bundesstaaten.
Das bedeutet nicht, dass Kalifornien morgen menschenleer ist.
Auch wenn man manchmal den Eindruck bekommen könnte, ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung von L.A. brate dort noch immer Burger, weil Hollywood den entscheidenden Anruf noch nicht getätigt hat.
Aber Spaß beiseite.
Bemerkenswert ist nicht, dass Menschen Kalifornien verlassen.
Menschen ziehen ständig um.
Bemerkenswert ist die Dauer und Richtung dieser Entwicklung bei einem Staat, der geografisch, klimatisch, wirtschaftlich und kulturell über Voraussetzungen verfügt, um die ihn ein Großteil der Welt beneiden dürfte.
Das PPIC nennt insbesondere die enormen Wohnkosten als wichtigen Faktor. Allein seit 2015 verzeichnete Kalifornien einen Nettoverlust von fast 900.000 Menschen, die Wohnkosten als Hauptgrund für ihren Umzug angaben. In Umfragen hatten 34 Prozent der Kalifornier ernsthaft erwogen, den Staat wegen hoher Wohnkosten zu verlassen.
Die interessantere Frage lautet deshalb:
Wie viel politische und regulatorische Fehlentwicklung braucht es, damit Menschen einen Standort verlassen, der ihnen eigentlich fast alles bietet?
Wenn aus Regulierung ein Lebensgefühl wird
Kalifornien steht exemplarisch für eine politische Vorstellung, nach der nahezu jedes gesellschaftliche Problem durch eine weitere staatliche Regel lösbar erscheint.
Jede einzelne davon mag irgendwie begründbar sein und vielleicht sogar sinnvoll erscheinen.
Umweltschutz.
Arbeitnehmerschutz.
Mieterschutz.
Verbraucherschutz.
Bauvorschriften.
Das Problem entsteht durch die Summe.
Irgendwann besteht ein Standort nicht mehr aus einer einzelnen gut gemeinten Regulierung, sondern aus Tausenden davon.
Und irgendwann stellt sich nicht mehr die Frage, ob eine bestimmte Vorschrift ursprünglich einen guten Zweck verfolgte, sondern ob Bürger und Unternehmen überhaupt noch genügend Raum haben, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
Kalifornien beginnt inzwischen selbst, Teile seiner Genehmigungs- und Regulierungsstrukturen zu reformieren.
Vielleicht ist das die bemerkenswerteste Bestätigung des Problems:
Wenn ein Staat seine eigenen Regeln wieder vereinfachen muss, darf man zumindest fragen, ob es vorher ein paar Regeln zu viel geworden waren.
Freiheit zeigt sich manchmal ganz banal an der Tankstelle
Man kann über Regulierung sehr abstrakt diskutieren.
Manchmal reicht aber ein Blick auf die Zapfsäule.
Am 24. August 2026 kostet Regular Gasoline in Texas nach AAA durchschnittlich rund 3,62 Dollar pro Gallone. Der amerikanische Durchschnitt liegt bei rund 4,10 Dollar.
Kalifornien lag Anfang August bei ungefähr 5,66 Dollar und damit an der Spitze der kontinentalen USA.
Natürlich ist diese Differenz nicht ausschließlich Politik.
Rohölpreise, Raffineriekapazitäten, Logistik und regionale Marktbedingungen spielen ebenfalls eine Rolle.
Aber Kalifornien erhebt seit 1. Juli 2026 allein 63,4 Cent State Fuel Tax pro Gallone, zusätzlich zur Bundessteuer und zur am Verkaufsort anfallenden Sales Tax. Hinzu kommen besondere kalifornische Kraftstoff- und Umweltanforderungen.
Gerade die aktuellen hohen US-Spritpreise machen die Unterschiede sichtbar: Die Bundesregierung kündigte im August sogar an, saisonale Kraftstoffanforderungen vorzeitig zu lockern und zeitweise strengere Standards unter anderem in Kalifornien und Texas zu waiven, um das Angebot zu erhöhen.
„Ein Benzinpreis ist kein Freiheitsindex. Aber er ist ein gutes Beispiel dafür, dass politische Entscheidungen irgendwann den Bereich abstrakter Debatten verlassen. Am Ende stehen sie auf der Rechnung.“
Die Abstimmung mit dem Firmensitz
Auch Unternehmen stimmen mit den Füßen ab.
Oder genauer: mit dem Headquarters.
Zwischen 2015 und 2024 verlegten nach Angaben des Texas Comptroller 314 Unternehmen ihren Hauptsitz nach Texas.
157 davon kamen aus Kalifornien.
Darunter finden sich prominente Namen wie Tesla, Oracle und Chevron.
Das kalifornische PPIC hat die Entwicklung selbst untersucht und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Von 2011 bis 2021 verlor Kalifornien netto etwa 1.250 Unternehmenszentralen.
Kaliforniens Wirtschaft verschwindet natürlich nicht von heute auf morgen, aber die Zahl der abwandernden Unternehmenszentralen nahm im Untersuchungszeitraum zu, und Texas gehört zu den dominierenden Abwanderungszielen.
Die Frage lautet also:
Warum entscheiden sich Unternehmen, die einen der wirtschaftlich leistungsfähigsten Standorte der Welt verlassen, so häufig für Texas?
Steuern spielen eine Rolle.
Regulierung spielt eine Rolle.
Kosten spielen eine Rolle.
Verfügbarkeit von Flächen und Arbeitskräften spielt eine Rolle.
Und irgendwann entsteht daraus etwas, das sich schwerer messen lässt:
ein wirtschaftspolitisches Klima.
Kalifornien: Wohlstand und Verwahrlosung nebeneinander
Zur Realität Kaliforniens gehört noch ein anderer Kontrast.
Enormer privater Wohlstand existiert unmittelbar neben sichtbarer öffentlicher Verwahrlosung.
Los Angeles und San Francisco sind dafür zu Symbolen geworden.
Zeltlager und offene Obdachlosigkeit gehören in Teilen der Städte seit Jahren zum Straßenbild.
Bei der Betrachtung dieser katastrophalen Zustände drängt sich die Frage auf:
Wie konnte einer der reichsten, innovativsten und wirtschaftlich leistungsfähigsten Standorte der Erde überhaupt einen Zustand erreichen, in dem massenhafte Obdachlosigkeit zum normalen Erscheinungsbild ganzer Straßenzüge werden konnte?
New York: Wenn der große Staat zum politischen Programm wird
An der Ostküste steht New York City für eine andere Ausprägung desselben Konflikts:
Hohe Steuern, starke Regulierung und ein ausgeprägter staatlicher Gestaltungsanspruch prägen den Big Apple seit Langem.
Dass die Stadt seit 2026 von Zohran Mamdani regiert wird, der sich selbst ausdrücklich als Sozialisten bezeichnet und auch eine klar dem entsprechende Programmatik vertritt, ist deshalb weniger Ursache als Symptom einer politischen Entwicklung.
Die Frage lautet also:
Wenn man Europa verlässt, weil einem dessen politische Entwicklung zu kollektivistisch und paternalistisch geworden ist – warum sollte dann ausgerechnet dieses politische Modell am neuen Lebensmittelpunkt attraktiv sein?
Florida: Freiheit als Standortfaktor
Florida ist nicht deshalb interessant, weil dort alles besser wäre.
Das ist es nicht.
Der Staat kämpft mit hohen Versicherungsprämien, steigenden Immobilienkosten, Infrastrukturproblemen und den besonderen Risiken einer Region, die regelmäßig von Hurricanes getroffen wird.
Auch Florida erlässt Gesetze, über deren Vereinbarkeit mit einem konsequent freiheitlichen Staatsverständnis man trefflich streiten kann.
Aber die Grundarchitektur ist bemerkenswert anders.
Florida erhebt keine persönliche State Income Tax.
Noch interessanter ist allerdings die Kombination aus wirtschaftlicher und persönlicher Freiheit.
Im libertär konzipierten Freedom in the 50 States-Index liegt Florida auf Platz zwei der Gesamtwertung. Der Index bewertet mehr als 230 staatliche und lokale Politikvariablen und umfasst sowohl wirtschaftliche als auch persönliche Freiheiten.
Das macht Florida nicht objektiv zum zweitbesten Staat Amerikas – aber zu einem der freiheitlichsten.
Und Menschen reagieren darauf mit ihren Standortentscheidungen.
Florida gehört weiterhin zu den bedeutenden Zielen amerikanischer Binnenmigration und internationaler Zuwanderung.
Auch Kalifornier ziehen netto nach Florida. Für 2024 ermittelte PPIC einen Nettofluss von rund 12.645 Menschen aus Kalifornien nach Florida.
Steuern erklären davon nicht alles.
Aber insbesondere einkommensstarke Kalifornier ziehen laut PPIC überproportional häufig in Staaten ohne persönliche Einkommensteuer.
Texas: der libertäre Lackmustest
Vielen erscheint Texas unter dem Aspekt persönlicher Freiheit noch interessanter als Florida.
Aber ist es das auch wirklich?
Die nüchterne Antwortet lautet nein, denn Texas zeigt, warum „konservativ“ und „freiheitlich“ eben nicht dasselbe bedeuten.
Wirtschaftlich ist Texas ausgesprochen attraktiv.
Im Cato-Index liegt Texas bei der wirtschaftlichen Freiheit weit vorne. Die aktuelle Ausgabe führt den Staat auf Platz sechs bei Economic Freedom.
Keine persönliche State Income Tax, vergleichsweise unternehmerfreundliche Regulierung, enorme Flächen, ein großer Binnenmarkt und eine ausgeprägte Unternehmenskultur tragen dazu bei.
Das Ergebnis ist sichtbar.
Unternehmen und Menschen ziehen hin.
Allein Kalifornien verlor 2024 netto mehr als 21.000 Einwohner an Texas.
Aber persönliche Freiheit ist noch einmal etwas anderes als nur wirtschaftliche Freiheit.
Texas greift in verschiedenen Bereichen des Privatlebens durchaus stärker ein, als es das freiheitliche Selbstbild des Staates vermuten lässt. Frühere Ausgaben des Cato-Index ließen Texas bei Personal Freedom sogar ausgesprochen schlecht abschneiden; die Autoren verwiesen unter anderem auf Criminal Justice, Cannabis-, Bildungs- und Glücksspielpolitik.
Das ist kein Nebenaspekt, sondern ein wesentlicher Teil des Gesamtbildes.
Ein Staat kann Unternehmer weitgehend in Ruhe lassen und sich gleichzeitig erstaunlich intensiv für das Privatleben seiner Bürger interessieren.
Deshalb ist Texas kein libertäres Utopia.
Bei Freiheit geht es nicht nur um Steuern – aber sie gehören dazu
Florida und Texas erheben keine persönliche State Income Tax.
Kalifornien besitzt dagegen ein progressives Einkommensteuersystem. New York ebenfalls.
Man könnte nun einfach sagen:
Niedrigere Steuer = mehr Freiheit.
So einfach ist es nicht.
Ein funktionierender Rechtsstaat kostet Geld.
Infrastruktur kostet Geld.
Gerichte kosten Geld.
Polizei kostet Geld.
Der Schutz von Eigentumsrechten kostet Geld.
Die Frage lautet deshalb nicht, ob ein Staat gar nichts beanspruchen darf.
Sie lautet:
Wie viel darf er beanspruchen – und wofür?
Und vor allem:
Wer entscheidet anschließend über den Rest?
Der Bürger?
Oder wiederum der Staat?
In diesem Sinne sind Steuern durchaus eine Freiheitsfrage.
Denn jeder Dollar, über dessen Verwendung der Staat entscheidet, ist ein Dollar, über dessen Verwendung sein Eigentümer nicht mehr entscheiden kann.
Das allein macht eine Steuer noch nicht illegitim.
Aber es sollte genügen, um die Beweislast richtig herum zu verteilen.
„Nicht der Bürger sollte erklären müssen, warum er sein Geld behalten möchte. Der Staat sollte erklären müssen, warum er es benötigt.“
Freiheit bedeutet vor allem, andere in Ruhe zu lassen.
An diesem Punkt mag der Freiheitsbegriff von manchen als anstrengend und unbequem empfunden werden.
Denn persönliche Freiheit bedeutet nicht:
Der Staat soll dafür sorgen, dass alle Menschen so leben, wie ich es für richtig halte.
Sie bedeutet ziemlich genau das Gegenteil.
Andere Menschen dürfen Entscheidungen treffen, die ich für falsch, albern, geschmacklos oder vollkommen verrückt halte.
Solange sie damit nicht in die Rechte anderer eingreifen.
Das gilt für Lebensentwürfe, Religion, Sprache, Sexualität, Waffenbesitz, Ernährung, Cannabis, Erziehung, politische Ansichten und vieles mehr.
Eine Gesellschaft wird nicht dadurch frei, dass die „richtigen“ Menschen bestimmen, was erlaubt ist.
Sie wird frei, wenn möglichst wenig bestimmt werden muss.
Das ist auch der Grund, weshalb ein libertärer Standpunkt mit dem linken, vermeintlich „progressiven“ Weltbild ebenso kollidiert, wie mit dem konservativen Leitbild vom „starken Staat“.
Beide beinhalten eine erstaunliche Begeisterung für staatliche Macht.
Sie unterscheiden sich vor allem darin, wofür sie diese einsetzen wollen.
Der American Dream war nie ein Steuerprogramm
Vielleicht liegt genau hier der eigentliche Reiz der Vereinigten Staaten.
Der American Dream versprach nie Gleichheit der Ergebnisse.
Er versprach nicht einmal Erfolg.
Seine faszinierende Idee war eine andere:
die Möglichkeit, es zu versuchen.
Ein Unternehmen aufzubauen.
Eigentum zu erwerben.
Neu anzufangen.
Zu scheitern.
Noch einmal anzufangen.
Sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Und die Konsequenzen dieser Entscheidungen weitgehend selbst zu tragen.
Das ist ein ausgesprochen libertärer Gedanke.
Vielleicht ist genau das der Kern dessen, was einmal American Dream genannt wurde:
„Nicht die Garantie auf Erfolg, sondern die Freiheit, ihn auf eigene Rechnung zu versuchen.“
Deshalb erscheinen Florida und – mit den genannten Einschränkungen – Texas für freiheitsorientierte Auswanderer heute so interessant.
Nicht weil dort keine Probleme existieren.
Nicht weil dort die „richtige Partei“ regiert.
Und schon gar nicht, weil irgendein Politiker dort die Freiheit erfunden hätte.
Sondern weil dort Teile jener amerikanischen Idee noch vergleichsweise deutlich erkennbar sind:
Eigenverantwortung.
Unternehmertum.
Eigentum.
Und ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber einem Staat, der glaubt, jede gesellschaftliche Frage selbst beantworten zu müssen.
Wer für die Freiheit auswandert, sollte auch nach Freiheit suchen
Im ersten USA-Beitrag dieser Reihe haben wir zwei Fragen voneinander getrennt.
Zunächst:
Will ich Teil des amerikanischen Systems werden?
Und anschließend:
Wo in den Vereinigten Staaten möchte ich leben?
Jetzt können wir die zweite Frage präzisieren.
Wer ausschließlich wegen seiner Steuerbelastung auswandert, kann Bundesstaaten anhand von Zahlen vergleichen.
Wer wegen Freiheit auswandert, muss tiefer schauen.
Kalifornien kann für einen Tech-Unternehmer weiterhin ein guter Standort sein.
New York kann für jemanden, dessen Geschäft und gesellschaftliches Leben dort stattfinden, noch immer akzeptabel sein.
Florida kann für einen anderen Menschen unerträglich heiß, teuer oder schlicht langweilig sein.
Und Texas kann einem wirtschaftlich freiheitlichen Menschen gesellschaftspolitisch bereits wieder zu viel Staat sein.
Freiheit bedeutet schließlich auch, selbst entscheiden zu dürfen, welche Kompromisse man eingeht.
Aber wer Deutschland oder die Europäische Union gerade deshalb verlässt, weil ihm Regulierung, staatliche Bevormundung und der zunehmende politische Anspruch auf immer weitere Bereiche seines Lebens zu weit gehen, sollte diese Kriterien bei der Wahl seines neuen Lebensmittelpunktes nicht plötzlich vergessen.
Sonst hat er zwar die Landesgrenze überschritten.
Aber möglicherweise nicht das politische Modell verlassen, dem er eigentlich entkommen wollte.
„Freiheit beginnt nicht an einer Landesgrenze. Sie beginnt mit der Entscheidung, wie viel Staat man im eigenen Leben akzeptieren will.“
Fuentes y datos adicionales
- Cato Institute — Freedom in the 50 States — Index zur wirtschaftlichen und persönlichen Freiheit in allen US-Bundesstaaten
- Public Policy Institute of California — Migration — Daten und Analysen zur Binnenmigration aus und nach Kalifornien
- AAA Gas Prices — Aktuelle durchschnittliche Benzinpreise in den US-Bundesstaaten
- Texas Comptroller — Business Relocations — Daten zu Unternehmenszuzügen nach Texas aus anderen Bundesstaaten
- California Department of Tax and Fee Administration — Fuel Tax — Aktuelle State Fuel Tax und weitere kalifornische Kraftstoffabgaben
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