Steuern & Strukturen

US LLC: Wyoming, New Mexico, Delaware, Florida oder Texas?

Björn Skamrahl · 12. August 2026 · 12 Min. Lesezeit

Wyoming, New Mexico, Delaware, Florida oder Texas? Wer eine US LLC gründet, begegnet schnell der Frage nach dem „besten“ Bundesstaat. Doch niedrige Gebühren, Privacy und fehlende State Income Tax erzählen nur einen Teil der Geschichte. Entscheidend ist, welche Aufgabe die Gesellschaft erfüllen soll – und wo ihr Geschäft tatsächlich stattfindet.

LLC-Holzbuchstaben vor US-Karte und amerikanischer Flagge, daneben Articles of Organization und eine Liste der Bundesstaaten Wyoming, New Mexico, Delaware, Florida und Texas
Fünf Bundesstaaten, fünf unterschiedliche Profile: Der Gründungsstaat ist ein Bestandteil der Struktur – nicht deren Ersatz.
„Welcher Bundesstaat ist der beste für eine LLC?“

Kaum eine Frage wird bei US-Gesellschaften häufiger gestellt.

Und kaum eine lässt sich sinnvoll beantworten, bevor eine andere geklärt ist: Was soll diese Gesellschaft eigentlich tun?

Eine LLC entsteht nach dem Recht eines konkreten US-Bundesstaates.

Wyoming, New Mexico, Delaware, Florida und Texas bieten deshalb nicht einfach dasselbe Produkt mit fünf unterschiedlichen Anschriften.

Gründungsformalitäten, laufende Pflichten, öffentliche Registerdaten, State Taxes und Gebühren können sich unterscheiden.

Trotzdem wird die Bedeutung des Gründungsstaates regelmäßig überschätzt.

Denn die Wahl des Bundesstaates beantwortet weder allein die bundessteuerliche Behandlung der LLC noch die Besteuerung ihres Eigentümers.

„Der Bundesstaat bestimmt, welche LLC gegründet wird. Er bestimmt nicht allein, wie ihr Eigentümer besteuert wird.“

1. Drei Ebenen, die nicht verwechselt werden dürfen

Bei einer US LLC müssen drei Ebenen getrennt betrachtet werden.

  • Erstens: das Gesellschaftsrecht des Bundesstaates, nach dessen Recht die LLC gegründet wurde.
  • Zweitens: die steuerliche Behandlung auf Bundesebene.
  • Drittens: der Ort, an dem die Gesellschaft tatsächlich geschäftlich tätig wird und dadurch weitere steuerliche oder gesellschaftsrechtliche Anknüpfungspunkte entstehen können.

Gerade bei international eingesetzten LLCs werden diese Ebenen häufig miteinander vermischt.

Eine Single-Member LLC wird für Zwecke der Federal Income Tax grundsätzlich als disregarded entity behandelt, sofern keine andere steuerliche Klassifikation gewählt wurde.

Das ist eine bundessteuerliche Einordnung.

Sie entsteht nicht deshalb, weil die LLC in Wyoming, New Mexico oder Delaware gegründet wurde.

Wie eine US LLC grundsätzlich steuerlich funktioniert, warum „disregarded“ nicht „steuerfrei“ bedeutet und welche Rolle unter anderem Wohnsitz, Einkunftsquelle, USTB/ECI, Geschäftsleitung und Form 5472 spielen, haben wir bereits ausführlich in Die US LLC: Ein starkes Werkzeug – aber keine Steuerstrategie behandelt.

Hier beginnt deshalb die nächste Frage:

„Wenn die LLC als Instrument feststeht – in welchem Bundesstaat soll sie entstehen?“

2. Privacy ist nicht Anonymität

Einer der häufigsten Gründe für die Wahl eines bestimmten Bundesstaates ist die sogenannte Privacy.

Dabei fällt im internationalen LLC-Marketing regelmäßig ein Begriff, der mehr verspricht, als er rechtlich aussagt:

„anonyme LLC“

Eine eigene gesellschafts- oder steuerrechtliche Kategorie dieses Namens existiert nicht.

Stattdessen müssen unterschiedliche Informationsebenen getrennt werden.

  • Öffentliches Register: Welche Namen und Anschriften kann ein beliebiger Dritter über die Unternehmensdatenbank des Bundesstaates finden?
  • Registered Agent / Gesellschaftsunterlagen: Welche Informationen müssen beim Registered Agent oder innerhalb der Gesellschaft vorhanden sein?
  • Steuerbehörden: Welche Informationen erhalten IRS und gegebenenfalls State Tax Authorities?
  • Banken und Finanzinstitute: Welche Angaben werden im Rahmen von KYC- und Compliance-Verfahren verlangt?
  • Bundesrechtliche Meldepflichten: Welche zusätzlichen Informationspflichten bestehen aufgrund bundesrechtlicher Regelungen?

Diese Ebenen sind nicht identisch.

Ein Eigentümer kann deshalb in einem öffentlichen State Register nicht erscheinen und trotzdem gegenüber Bank, IRS oder anderen zuständigen Stellen vollständig identifiziert sein.

„Nicht öffentlich sichtbar ist nicht dasselbe wie anonym.“

3. Wyoming: der pragmatische Klassiker

Wyoming gehört zu den Bundesstaaten, die bei international eingesetzten LLCs besonders häufig genannt werden.

Dafür gibt es durchaus sachliche Gründe.

Die Gründung ist vergleichsweise schlank. Die Articles of Organization enthalten insbesondere Angaben zur LLC sowie zu Registered Office und Registered Agent. Eine allgemeine Verpflichtung, den wirtschaftlichen Eigentümer allein aufgrund seiner Eigentümerstellung in den Articles of Organization öffentlich auszuweisen, besteht nicht.

Gleichzeitig ist Wyoming keineswegs frei von laufenden Pflichten.

Eine LLC muss einen Annual Report einreichen.

Die Annual License Tax beträgt grundsätzlich mindestens 60 US-Dollar oder 0,0002 des Wertes der in Wyoming gelegenen und eingesetzten Assets, wenn dieser Betrag höher ist.

Für eine international eingesetzte LLC ohne nennenswerte Assets in Wyoming kann die State-Ebene deshalb relativ schlank bleiben.

Das erklärt einen Teil der Popularität.

Es erklärt aber nicht die Behauptung, eine Wyoming LLC sei automatisch „steuerfrei“ oder ihr Eigentümer „anonym“.

Der Registered Agent bleibt erforderlich.

Bundessteuerliche Pflichten bleiben bestehen.

Banken führen ihre eigenen KYC-Prüfungen durch.

Und die Besteuerung des Eigentümers richtet sich nicht danach, dass auf der Gründungsurkunde „Wyoming“ steht.

„Wyoming kann eine schlanke gesellschaftsrechtliche Heimat sein. Eine internationale Steuerstrategie ersetzt der Bundesstaat nicht.“

4. New Mexico: schlank, aber kein Geheimversteck

New Mexico taucht im internationalen LLC-Markt häufig gemeinsam mit Wyoming auf.

Auch dafür gibt es nachvollziehbare Gründe.

Die Gründung einer Domestic LLC ist mit vergleichsweise geringen State-Gebühren möglich, und die gesellschaftsrechtliche Administration kann schlank ausfallen.

Gerade daraus entstand allerdings ein hartnäckiges Marketingnarrativ: die „anonymous New Mexico LLC“.

Auch hier ist die Bezeichnung irreführend.

Welche Informationen öffentlich erscheinen, hängt von den tatsächlich eingereichten Dokumenten und der konkreten Struktur ab. Bestimmte Eigentümerinformationen müssen nicht allein aufgrund der Beteiligung in derselben Weise öffentlich erscheinen wie in manchen anderen Staaten.

Das bedeutet jedoch wiederum nicht, dass der Eigentümer gegenüber zuständigen Stellen oder Finanzinstituten unbekannt wäre.

Hinzu kommt ein zweiter Punkt:

New Mexico besitzt selbstverständlich ein eigenes Steuersystem.

Wer dort tatsächlich geschäftlich tätig ist oder entsprechende steuerliche Anknüpfungspunkte begründet, kann mit State-Level-Filing- und Steuerpflichten konfrontiert werden.

Auch die Gross Receipts Tax kann je nach Tätigkeit relevant werden.

„New Mexico kann gesellschaftsrechtlich schlank sein. Daraus folgt nicht, dass Geschäftstätigkeit in New Mexico steuerlich folgenlos wäre.“

5. Delaware: Reputation ersetzt keine Analyse

Delaware ist wahrscheinlich der international bekannteste US-Gesellschaftsstandort.

Zahlreiche große Unternehmen und komplexe Beteiligungsstrukturen nutzen den Bundesstaat.

Dafür existieren gute Gründe.

Delaware verfügt über ein hochentwickeltes Gesellschaftsrecht, jahrzehntelange Rechtsprechung und mit dem Court of Chancery über eine spezialisierte Institution für gesellschaftsrechtliche Streitigkeiten.

Gerade daraus entsteht jedoch ein problematischer Umkehrschluss:

„Wenn Delaware für große US-Unternehmen gut ist, muss Delaware auch für meine LLC die beste Wahl sein.“

Das folgt daraus nicht.

Eine Delaware LLC muss grundsätzlich keinen klassischen Annual Report wie eine Corporation einreichen, unterliegt jedoch einer jährlichen State Tax von 300 US-Dollar.

Für komplexe Beteiligungsverhältnisse, institutionelle Investoren, Venture-Capital-Strukturen oder Fälle, in denen das entwickelte Delaware-Gesellschaftsrecht tatsächlich benötigt wird, kann der Bundesstaat erhebliche Vorteile besitzen.

Für eine einfache Single-Member LLC eines international tätigen Consultants oder Online-Unternehmers müssen diese Vorteile dagegen keine praktische Bedeutung haben.

Das ist kein Nachteil Delawares.

Es bedeutet lediglich, dass Reputation kein Ersatz für die Analyse des konkreten Anwendungsfalls ist.

„Der bekannteste Gesellschaftsstandort ist nicht automatisch der passendste.“

6. Florida: wenn die LLC dort ankommt, wo ihr Eigentümer lebt

Florida zeigt besonders gut, warum die Diskussion über den Gründungsstaat nicht isoliert geführt werden sollte.

Der Bundesstaat besitzt keine klassische persönliche State Individual Income Tax.

Das macht Florida als Lebensmittelpunkt für Unternehmer und vermögende Privatpersonen attraktiv.

Eine Florida LLC ist trotzdem nicht frei von State-Level-Pflichten.

Sie muss jährlich einen Annual Report einreichen.

Die reguläre Gebühr beträgt 138,75 US-Dollar.

Wird der Annual Report nach dem 1. Mai eingereicht, kommt eine Late Fee von 400 US-Dollar hinzu.

Noch interessanter ist Florida im Zusammenhang mit Privacy.

Bei der Gründung weist der Staat ausdrücklich darauf hin, Members nicht allein aufgrund ihrer Member-Eigenschaft in den Articles of Organization aufzuführen.

Gleichzeitig werden zahlreiche bei Sunbiz eingereichte Informationen öffentlich zugänglich.

Je nach konkreter Struktur und späteren Filings können damit insbesondere Angaben zu verantwortlichen Personen öffentlich sichtbar werden.

Privacy ist deshalb kein Zustand, der mit der Gründung einmal festgelegt und anschließend unverändert bleibt.

„Was bei der Gründung nicht öffentlich erscheint, kann durch spätere Filings sichtbar werden.“

Florida führt aber noch zu einer wichtigeren Frage.

Was geschieht, wenn jemand eine Wyoming LLC besitzt, tatsächlich jedoch in Florida lebt, dort sein Büro unterhält, Mitarbeiter beschäftigt und das Unternehmen von dort führt?

Dann kann die Wyoming-Gründung allein nicht verhindern, dass Florida gesellschaftsrechtlich und steuerlich relevant wird.

Damit kommen wir zu einem der wichtigsten Punkte dieses Beitrags.

7. Texas: keine persönliche Income Tax bedeutet nicht keine State Tax

Texas gehört ebenfalls zu den Bundesstaaten ohne klassische persönliche State Individual Income Tax.

Auch daraus wird gelegentlich eine zu einfache Schlussfolgerung gezogen: Wenn Texas keine persönliche Einkommensteuer erhebt, sei auch die unternehmerische State-Ebene praktisch bedeutungslos.

Das stimmt nicht.

Texas besitzt mit der Franchise Tax ein eigenes System für Unternehmen.

Für den Franchise Tax Report 2026 liegt der No Tax Due Threshold bei 2,65 Millionen US-Dollar annualized total revenue.

Liegt der annualisierte Gesamtumsatz bei höchstens dieser Schwelle, fällt grundsätzlich keine Franchise Tax an.

Für Reports, die seit dem 1. Januar 2024 fällig werden, ist in diesen Fällen auch kein No Tax Due Report mehr erforderlich. Public Information Report (PIR) beziehungsweise Ownership Information Report (OIR) können jedoch weiterhin einzureichen sein.

Andere Informationspflichten können dennoch bestehen.

Oberhalb der maßgeblichen Schwelle können – abhängig von Tätigkeit, Berechnungsgrundlage und weiteren Voraussetzungen – Franchise-Tax-Pflichten entstehen.

Für unseren Vergleich ist weniger die konkrete Berechnungsformel entscheidend als die dahinterstehende Erkenntnis:

„Keine persönliche State Income Tax bedeutet nicht: keine State-Level-Steuern und keine State-Level-Compliance.“

Auch hinsichtlich der öffentlichen Register unterscheidet sich Texas von den klassischen Privacy-Jurisdiktionen.

Bei der Gründung werden Angaben zu den initial governing persons verlangt.

Texas steht damit exemplarisch für einen Staat, der als tatsächlicher Unternehmens- und Lebensmittelpunkt sehr attraktiv sein kann, ohne deshalb die schlankste Registerstruktur für eine rein internationale LLC zu bieten.

8. Foreign Qualification: Der tatsächliche Geschäftsort lässt sich nicht weggründen

Eine LLC besitzt zunächst die gesellschaftsrechtliche Heimat ihres Gründungsstaates.

Damit endet die Analyse jedoch nicht.

Wird sie tatsächlich in einem anderen Bundesstaat geschäftlich tätig, kann dort eine Registrierung als Foreign LLC erforderlich werden.

Das Wort „foreign“ führt dabei gelegentlich zu Missverständnissen.

Eine Wyoming LLC ist aus Sicht Floridas bereits eine Foreign LLC.

Dafür muss sie nicht aus einem anderen Land stammen.

Entscheidend ist, dass sie nach dem Recht eines anderen US-Bundesstaates gegründet wurde.

Welche Tätigkeiten eine Foreign Qualification auslösen, richtet sich nach dem Recht des jeweiligen Staates und muss im konkreten Fall geprüft werden.

Das Prinzip ist dennoch wichtig.

Wer eine LLC in Wyoming gründet, aber tatsächlich ein operatives Geschäft in Florida oder Texas betreibt, kann die dortigen gesellschaftsrechtlichen und steuerlichen Regeln nicht dadurch vermeiden, dass die Gründungsurkunde aus Wyoming stammt.

„Man kann den Gründungsstaat wählen. Den tatsächlichen Geschäftsort kann man nicht wegregistrieren.“

Damit verliert auch die häufig gestellte Frage

„Wo ist die LLC am billigsten?“

einen Teil ihrer Bedeutung.

Eine Gesellschaft, die anschließend in einem zweiten Staat registriert werden muss, kann zusätzliche Gebühren, Registered-Agent-Kosten und Compliance-Pflichten erzeugen.

Die vermeintlich billigste Gründung kann dadurch zur komplizierteren Struktur werden.

9. Fünf Staaten – fünf unterschiedliche Profile

Laufende State-Ebene

Wyoming

Annual Report

New Mexico

vergleichsweise schlanke gesellschaftsrechtliche Administration

Delaware

kein klassischer LLC Annual Report

Florida

Annual Report

Texas

State-/Tax-Reporting abhängig von Situation

Typische laufende Besonderheit

Wyoming

Annual License Tax ab 60 USD

New Mexico

geringe gesellschaftsrechtliche Grundkosten

Delaware

300 USD jährliche State Tax

Florida

138,75 USD Annual Report; 400 USD Late Fee nach Fristversäumnis

Texas

Franchise-Tax-System; 2026 No Tax Due Threshold 2,65 Mio. USD

Public-Record-Privacy

Wyoming

vergleichsweise hoch

New Mexico

vergleichsweise hoch

Delaware

vergleichsweise hoch

Florida

stärker von öffentlichen Filings geprägt

Texas

Angaben zu governing persons relevant

Typischer Einsatz / Stärke

Wyoming

schlanke internationale LLC-Struktur

New Mexico

geringe gesellschaftsrechtliche Administration

Delaware

komplexere / institutionelle Strukturen

Florida

tatsächlicher US-Lebens- und Geschäftsstandort

Texas

tatsächlicher US-Unternehmensstandort

Typischer Denkfehler

Wyoming

„steuerfrei“

New Mexico

„anonym“

Delaware

„immer die beste Wahl“

Florida

Gründung in Wyoming beseitige Florida-Nexus

Texas

keine persönliche Income Tax bedeute keine State Tax

Diese Übersicht ist bewusst keine Rangliste.

Sie zeigt lediglich, warum dieselbe Frage je nach Struktur zu unterschiedlichen Antworten führen kann.

10. Kosten sind selten das entscheidende Kriterium

Bei Vergleichen von LLC-Bundesstaaten dominieren häufig Beträge wie 50 Dollar, 60 Dollar, 138,75 Dollar oder 300 Dollar.

Für eine ernsthafte internationale Strukturplanung sind diese Unterschiede meistens nicht das zentrale Problem.

Ob eine Gesellschaft jährlich einige hundert Dollar mehr oder weniger an State Fees verursacht, ist gegenüber falscher steuerlicher Einordnung, unnötiger Foreign Qualification oder ungeeigneter gesellschaftsrechtlicher Struktur häufig nebensächlich.

Das gilt besonders für Unternehmer und vermögende Privatpersonen.

„Eine Gesellschaft sollte nicht nach 200 Dollar Gebührenunterschied ausgewählt werden, wenn die falsche Struktur steuerlich Tausende kosten kann.“

Kosten gehören in die Entscheidung.

Sie sollten sie aber nicht dominieren.

11. BOI nach der Final Rule: weniger Reporting bedeutet nicht Anonymität

Die Regeln zur Meldung wirtschaftlich Berechtigter nach dem Corporate Transparency Act haben innerhalb kurzer Zeit erhebliche Veränderungen erlebt.

Deshalb ist eine zeitliche Einordnung wichtig.

Bereits im März 2025 nahm FinCEN durch eine Interim Final Rule in den USA gegründete Gesellschaften und US Persons aus den BOI Reporting Requirements heraus.

Domestic U.S. entities waren damit bereits von dieser Meldepflicht ausgenommen.

Am 11. August 2026 hat FinCEN nun die Final Rule veröffentlicht, die diese Neuausrichtung dauerhaft festschreibt. Sie tritt am 14. August 2026 in Kraft.

Stand heute ist also festzuhalten:

„Die Final Rule schafft nicht erstmals die BOI-Befreiung für Domestic LLCs. Diese gilt bereits aufgrund der Interim Final Rule von 2025. Die am 11. August 2026 veröffentlichte Final Rule schreibt diese Neuausrichtung dauerhaft fest und tritt am 14. August 2026 in Kraft.“

Und noch wichtiger:

Diese Entwicklung macht eine LLC nicht „anonym“.

Die BOI-Meldung an FinCEN war nur eine Informationsschicht.

Steuerliche Identifikations- und Reportingpflichten bestehen unabhängig davon weiter.

Banken führen KYC-Prüfungen durch.

Registered Agents unterliegen ihren jeweiligen gesetzlichen Pflichten.

State Filings können öffentlich zugängliche Informationen enthalten.

„Das Ende einer Meldepflicht ist nicht das Ende der Identifizierbarkeit.“

12. Welcher Bundesstaat ist nun der richtige?

Damit kehren wir zur Ausgangsfrage zurück.

Wyoming? New Mexico? Delaware? Florida? Texas?

Die seriöse Antwort beginnt nicht mit einem Namen.

Sie beginnt mit Fragen.

  • Wo lebt der Eigentümer?
  • Wo wird das Unternehmen tatsächlich geführt?
  • Wo befinden sich Mitarbeiter?
  • Wo befinden sich Büros oder andere betriebliche Einrichtungen?
  • Wo sitzen die Kunden?
  • Welche Tätigkeit übt die Gesellschaft aus?
  • Gibt es weitere Gesellschafter oder Investoren?
  • Ist institutionelles Kapital geplant?
  • Welche Informationen sollen aus legitimen Gründen nicht öffentlich in einem State Register erscheinen?
  • Welche steuerliche Behandlung entsteht auf Federal-, State- und Wohnsitzstaatsebene?
  • Ist eine Foreign Qualification in einem anderen Bundesstaat ohnehin erforderlich?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, ergibt die Wahl des Gründungsstaates Sinn.

Für eine ortsunabhängige Single-Member LLC eines außerhalb der USA lebenden Unternehmers kann Wyoming oder New Mexico eine naheliegende Option sein.

Bei komplexeren Beteiligungs- oder Investorenstrukturen kann Delaware Eigenschaften besitzen, die tatsächlich benötigt werden.

Wer dagegen real in Florida oder Texas lebt und dort ein operatives Unternehmen führt, sollte prüfen, ob die direkte Gründung im tatsächlichen Geschäftsstaat nicht die einfachere Struktur ergibt; welche Folgen ein Lebensmittelpunkt in den Vereinigten Staaten insgesamt hat, behandelt USA als Lebensmittelpunkt: Ein Land, 50 Steuersysteme – und eine Entscheidung mit Folgen.

Keine dieser Aussagen ist eine pauschale Empfehlung.

Sie zeigen lediglich, warum die Antwort vom tatsächlichen Sachverhalt abhängt.

13. Der Name des Bundesstaates ersetzt keine Struktur

Die Popularität bestimmter LLC-Bundesstaaten hat eine eigene Industrie hervorgebracht.

Wyoming wird mit Privacy beworben.

New Mexico mit Anonymität.

Delaware mit Prestige.

Florida und Texas mit fehlender persönlicher State Income Tax.

Jede dieser Aussagen enthält einen realen Kern.

Problematisch werden sie erst, wenn aus einem einzelnen Merkmal eine vollständige Strukturentscheidung gemacht wird.

Eine LLC ist keine Wyoming-Adresse.

Sie ist keine Delaware-Reputation.

Und sie wird nicht dadurch steuerfrei, dass ihr Eigentümer in keinem öffentlichen State Register erscheint.

Sie ist eine Gesellschaft innerhalb eines föderalen Systems.

Ihr Gründungsstaat ist ein Bestandteil dieser Struktur – nicht deren Ersatz.

Erst die Struktur. Dann der Bundesstaat.

Wyoming kann richtig sein.

New Mexico kann richtig sein.

Delaware kann richtig sein.

Und wer tatsächlich in Florida oder Texas lebt und dort sein Unternehmen führt, kann gute Gründe haben, genau dort zu gründen.

Die richtige Entscheidung hängt nicht davon ab, welcher Staat in einem Internetvergleich die meisten Häkchen erhält.

Sie hängt davon ab, welche Aufgabe die Gesellschaft erfüllen soll und welche rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Anknüpfungspunkte tatsächlich bestehen.

„Die falsche Entscheidung beginnt nicht mit dem falschen Bundesstaat.“

„Sie beginnt mit der Vorstellung, der Name eines Bundesstaates könne eine internationale Struktur ersetzen.“

Quellen & weiterführende Daten

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